Auf seine Kinder ist er stolz Nassif Adebayo Bada

Nassif Adebayo Bada, Benin

Seine Tochter, Moutmainath (18), hat gerade Abitur gemacht. Sie möchte Medizin studieren, so wie ihre Tante. Und für Mouaz, seinen Sohn (11), ist klar: er wird Oberarzt. Auf seine 2 Kinder ist Nassif Adebayo Bada aus Benin stolz. Und er weiß, obwohl sie fleißig sind und gute Schulnoten haben, werden die Berufswünsche der beiden nicht so leicht in Erfüllung gehen. Die zwei sind erst wenige Wochen in Deutschland und müssen noch einige Hürden nehmen.

Nassif Adebayo Bada, den alle nur Nassif nennen, lebt und arbeitet schon ein paar Jahre in der Landeshauptstadt. Bis er in Schwerin angekommen ist, war er einige Jahre unterwegs. Aufgewachsen ist Nassif Bada in Porto Novo, der Hauptstadt Benins an der Atlantikküste. Er ist das dritte von vier Kindern. Sein Vater ist Schulleiter und ihm ist es wichtig, dass seine Kinder lernen. Bada macht eine Ausbildung als Elektriker. „Wir haben tagsüber Leitungen in Häusern und Wohnungen verlegt und abends die Theorie gelernt.“, erinnert er sich. Auch nach der Lehre bleibt er eine Weile dabei. „Ich habe für ein Unternehmen gearbeitet, das Notstromaggregate in diplomatischen Vertretungen installiert hat.“ Doch die Bezahlung ist schlecht und inzwischen hat Nassif Bada eine Familie gegründet und ist Vater geworden. Er hofft, in Europa bessere Bedingungen zu finden.

2003 geht es mit dem Flugzeug nach Paris. Er gibt vor, in Frankreich ein Auto kaufen zu wollen, entscheidet sich dann aber nach Italien zu reisen und dort seine jüngere Schwester zu besuchen. Sie studiert in Mailand Medizin.

Die Eltern von Nassif Bada sind nicht arm. Der Familie gelingt es, ausreichende finanzielle Sicherheiten zu stellen, mit denen der Aufenthalt in Italien zunächst für zwei Jahre möglich ist. Adebayo macht sich mit Gartenarbeiten selbstständig. Und er hat wechselnde Jobs. Mal kellnert er, mal jobbt er im Spielcasino oder arbeitet für Ferrari. Leider nicht in der Herstellung der Sportwagen, sondern in einer Fabrik für Flaschendeckel, die auch zur Unternehmensgruppe gehört.

Seine Frau und Töchterchen Moutmainath folgen ihm nach Italien. Hier kommt auch der kleine Mouaz zur Welt. Allerdings fühlt sich seine Frau nicht wohl im Land und bleibt nicht auf Dauer. Nassif Bada reist zum Urlaub nach Benin. Ansonsten schickt er Geld für Frau und Kinder, die auch immer mal wieder nach Italien kommen. „Das war schon ein ziemliches Hin und Her!“, so Adebayo.

Während der Finanzkrise 2009 verliert er seine Arbeit und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Hin und wieder besorgt er in Frankreich oder in Deutschland ein Auto, das er mit ein wenig Gewinn nach Benin verkauft wird. Es gelingt ihm stets genug Geld zu verdienen und seinen Aufenthaltsstatus in der EU zu behalten.

Anfang 2017 besucht Nassilf Bada einige Freunde in Hamburg. Sie feiern zusammen Geburtstag und Adebayo erledigt ein paar Einkäufe. „Einer meiner Freunde sollte damals hier in Schwerin für seinen Arbeitgeber ein paar Dinge organisieren und ich bin einfach mitgegangen.“, erinnert er sich. „Da wusste ich natürlich noch nicht, dass ich bleiben würde.“

Bei einem Hamburger Gebäudereinigungsunternehmen unterschreibt Nassif Bada einen Arbeitsvertrag. Vollzeit. „Endlich war es vorbei mit den vielen kleinen Jobs und der Unsicherheit der vergangenen Jahre.“, meint er. Grundreinigung und Glasreinigung machen ihm am meisten Spaß. „Das kann ich ganz gut.“, sagt er bescheiden.

Sein Wohnort wird Schwerin. Hier hat er eine Frau kennengelernt. Sie bedeutet ihm viel und sie hilft ihm beim Ankommen in Deutschland. Bada spricht Französisch, eine lokale Sprache Benins und Italienisch, aber Deutsch ist bis heute nicht seine Stärke. „Zuerst bin ich jeden Morgen mit dem ersten Zug von Schwerin nach Hamburg gefahren, habe gearbeitet und war hinterher total kaputt. Jetzt arbeite ich in Schwerin, aber zum Deutsch lernen komme ich noch immer nicht.“, sagt er ein wenig selbstkritisch.

Im Frühjahr 2018 besucht Moutmainath ihren Papa zum ersten Mal in Schwerin. Schnell wird klar: sobald sie das Abitur im naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums bestanden hat, möchte sie hier mit ihrem kleinen Bruder und ihrem Vater zusammenleben. Der kleine Mouaz besucht in Benin eine Privatschule, lernt dort Französisch und Englisch. Moutmainath beginnt schon in Porto Novo Deutsch zu lernen. Schriftlich ist sie inzwischen ganz gut. Sprechen traut sie sich noch nicht so richtig. Aber das ist vermutlich eine Frage der Zeit.

Seit Anfang September sind die drei nun endlich zusammen und glücklich. „Ich habe mir das so sehr gewünscht. Eine gute Arbeit und meine Kinder in der Nähe. Eine neue Wohnung für uns zusammen habe ich auch schon.“, strahlt Nassif Bada. Und gemeinsam entdecken sie in seiner Freizeit die Stadt, die ihr neues Zuhause ist. Mouaz möchte gern in eine 5. Klasse an einer Schule in Schwerin einsteigen und die große Schwester konzentriert sich auf die Sprache. Sie lernt online weiter und hat bereits eine Sprachpatin gefunden, die ehrenamtlich mit ihr übt. Und Ende September startet der Schwimmunterricht. Dann können alle gemeinsam im nächsten Sommer baden gehen.

Länderinfo Benin

Der Staat Benin in Westafrika ist gut doppelt so groß wie Niedersachsen. Benin grenzt im Osten an Nigeria, im Norden an Burkina Faso und Niger, im Westen an Togo und im Süden an den Golf von Guinea.


Die Mehrheit der rund 11 Millionen Einwohner lebt im Süden des Landes. Sehr dicht besiedelt sind die Region um den Hafen von Cotonou, wo sich das politische und wirtschaftliche Leben des Landes konzentriert, und die offizielle Hauptstadt Porto-Novo. An den Stadträndern ist der Anbau von Mais, Maniok und Süßkartoffeln zum Tausch und Eigenverbrauch sehr ausgeprägt. Das Land gilt als arm und steht auf dem Platz 163 von 189 im HDI, dem Index der menschlichen Entwicklung. Deutschland belegt Platz 4. Bis 1975 hieß das Land „Dahomey“. Die Bezeichnung stand in der Tradition des historischen Königreichs Dahomey. Dieses war bedeutender Akteur im transatlantischen Sklavenhandel, im Militär gab es Frauenregimenter, die legendären Amazonen. Bis zur Eroberung durch die Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts umfasste es den südlichen Teil des heuteigen Staates und Togos. Der Unabhängigkeit 1960 folgte ein Putsch dem anderen, 1974 bis 1990 die Epoche des Marxismus-Leninismus. Seitdem hat sich eine stabile Demokratie entwickelt. Bei der Volkszählung 2002 gaben noch gut 23 % der Einwohnerschaft traditionelle Religionen als ihren Glauben an. Offiziell bekannten sich 17,3 % zur Voodoo-Religion.