Lasst es uns zusammen überwinden! Seonman Kim aus Südkorea

Seonman Kim, Südkorea

„Sie kennen „BTS“ nicht? Die Boygroup kommt wie ich aus Südkorea und viele junge Menschen in der Welt kennen sie.“, lacht Seonman Kim. Auch er macht Musik, wenn auch andere als die Pop-Band aus seiner Heimat.

„Für uns war es normal, 8 Stunden täglich in der Schule zu sein. Manchmal waren es ein paar Stunden mehr und es konnte auch mal 22 Uhr werden, bevor wir nach Hause konnten. Das kannten wir nicht anders.“, sagt Seonman Kim. Er wächst in Daejon, mit 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Südkoreas, auf.

Nach dem Wechsel in die Mittelstufe bekommt der junge Südkoreaner einen neuen Klassenlehrer. Dieser ist zugleich sein Musiklehrer. „Er hat uns verschiedene Instrumente vorgestellt. Die Klarinette hat mich fasziniert. Ich habe mit dem Lernen begonnen und wollte auch Musiklehrer werden.“, so Kim. „Besonders die Kompositionen von Carl Maria von Weber haben mir gefallen und so habe ich jeden Tag mindestens 6 Stunden geübt, an Feiertagen auch mal mehr als 12. Andere haben etwas anderes gelernt und ich eben Musik.“

Mit dem Abitur in der Tasche beginnt Seonman Kim 2006 in der Hauptstadt Seoul das Pädagogikstudium. Doch dann entschließt er sich, Klarinettist zu werden, und wechselt das Hauptfach. Während seiner Studienzeit spielt er in vielen Orchestern, darunter im Gwacheon Academic Orchestra. „In Seoul habe ich erst im Studentenwohnheim gelebt und nach dem Militärdienst hatte ich eine kleine, eine wirklich sehr kleine Wohnung. Viele sagen ja, die 2 Jahre im Militärdienst seien eine verlorene Zeit. Für mich war das nicht so.“, meint Kim. Nach einem Monat Grundausbildung tritt er seinen Dienst im Korea National Police Orchestra an.

„In unserem Orchester spielten andere Musiker, die aus vielen Ländern zum Militärdienst nach Südkorea gekommen waren. Von ihnen habe von ich gelernt wie Klarinette in Europa und anderswo gespielt wird. In den 2 Jahren habe ich mich sehr gut weiterentwickelt.“ Als Solist gewinnt er 2008 und 2011 im Korea Music Society- und im Korea Clarinet Society Wettbewerb jeweils den Ersten Preis.

Nach dem Militärdienst schließt Seonman Kim das Studium an der Korean National University of Art ab und bewirbt sich an der Berliner Universität der Künste für den Masterstudiengang. „Mein Lehrer am Gymnasium hat in Deutschland studiert, einer meiner Professoren an der Uni war 20 Jahre Musiker in Braunschweig und ein anderer war zum Studium in Köln. Da war für mich Deutschland eine ganz klare Wahl.“, so Kim, der bereits vor seiner Ankunft in Berlin ein kleines Netzwerk an Kontakten in der Bundesrepublik hatte.

Er lebt im Berliner Wedding, studiert und arbeitet als Aushilfe in verschiedenen Orchestern. „Mukke machen“ nennt er das und erzählt von einer Aufnahme mit dem Symphonieorchester des WDR, das er hinterher selber im Radio gehört hat.

An der Hochschule für Musik in Dresden besucht Seonman Kim die Meisterklasse. In Freiberg, am Mittelsächsischen Theater, hat er sein erstes Engagement: Als Praktikant und schlecht bezahlt. „Ich konnte Erfahrungen sammeln und mich damit dann beim Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern bewerben.“ Hier steht er seit 2016 als Klarinettist und Konzertmeister unter Vertrag. „Wir spielen in unterschiedlicher Besetzung mal klassische, mal traditionelle und auch Unterhaltungsmusik. Oft sind wir viele Stunden im Land zu den Auftritten unterwegs und eigentlich wären wir das jetzt auch. Aber mit Corona ist das nicht möglich. Wir machen jetzt Aufnahmen und produzieren eine CD.“, sagt Kim.

„Krise heißt auf Koreanisch „Uegi“. „Ue“ bedeutet Angst und „gi“ bedeutet Chance. Zusammen bilden sie das Wort Krise. Wir brauchen Weisheit, um aus einer Krise eine Chance zu machen.“, meint Seonman Kim und glaubt, dass dies gemeinsam möglich ist.

Für Rigoletto, Anatevka und andere Inszenierungen hilft Seonman Kim im Orchester des Mecklenburgischen Staatstheaters aus. Am Schweriner Konservatorium und bei der Musik- und Kunstschule Ataraxia e.V. unterrichtet der 35 jährige das Klarinettenspiel. „So kann ich meine beiden Träume verwirklichen: Klarinettist in einem Orchester und zugleich Lehrer sein.“, lacht Kim. „Meine feste Überzeugung ist: Musik muss Freude machen“ Und das versuche ich meinen Schülerinnen und Schülern zwischen 6 und 81 Jahren zu vermitteln.“

Vergangenes Jahr hat Seoman Kim geheiratet. Kennengelernt hat er seine Frau Hyunkyung auf einer Reise in Rom. Auch sie kommt aus Südkorea. In Kürze feiern sie den 100. Tag der Geburt ihrer Tochter Sua. „Das ist ein besonderer Tag in Südkorea. Freunde und Familie kommen zu Besuch. Das machen wir nun in einem kleinen Kreis. Wir haben nur 5 Gäste eingeladen.“, sagt Kim ein bisschen bedrückt. Aber dafür plant er jetzt ein Konzert in Schwerin. Am Freitag, 17.07.2020 wird Seonman Kim im Saal der Ataraxia am Südufer des Pfaffenteichs mit der Pianistin Yeonwoo Lee auftreten. Der Eintritt ist kostenlos.

„Ich bin Deutschland sehr dankbar. Ich konnte mich hier als Musiker gut entwickeln, hatte ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und lebe mit meiner Familie in einer Stadt, die mehr Wasser hat als Land. Nach Seoul, Berlin und Dresden ist Schwerin ein besonderer Ort für mich. Und mit dem Konzert unter dem Motto „Lasst uns das zusammen überwinden“ möchte ich mich bedanken und etwas zurückgeben.“, sagt Seonman Kim.

Länderinfo Südkorea

Die Republik Korea, genannt Südkorea, liegt in Ostasien auf dem südlichen Teil der Koreanischen Halbinsel. Die einzige Landgrenze ist die 243 km lange Grenze zu Nordkorea. Die beiden Staaten wurden 1948 im aufkommenden Kalten Krieg gegründet; der Koreakrieg verfestigte die Teilung Koreas.


Der Norden ist sozialistisch und autokratisch, während im kapitalistischen, diplomatisch nach Westen orientierten Südkorea mit der Zeit eine parlamentarische Demokratie etabliert wurde. Im Westen grenzt Südkorea an das Gelbe, im Süden an das Ostchinesische und im Osten an das Japanische Meer. 51,7 Millionen Einwohner zählt Südkorea und ist mit über 500 Einwohnern pro Quadratkilometer sehr dicht besiedelt. Etwa die Hälfte der Einwohner lebt im Großraum der Hauptstadt Seoul. Das historische Zentrum Südkoreas und der Ursprungsort Korea-Pop verzeichnete 2019 rd. 10 Millionen Touristen und war die zehntmeist besuchte Stadt der Welt. Die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs ab 1962, genannt das „Das Wunder am Han-Fluss“, machte Südkorea von einem armen Agrarland zu einem modernen Industriestaat. In der Produktion von Schiffen und elektronischen Produkten wie Halbleitern, Mikrochips, Flachbildschirmen, Fahrzeugen und Computern hat die südkoreanische Industrie eine bedeutende Stellung in der Welt erreicht.