Dramaturgin und Theaterpädagogin sucht Job Winnie Nabwami, Uganda

Winnie Nabwami, Uganda

„Zu den Besten zu zählen, ist wirklich toll. Und manchmal reicht selbst das nicht für eine gute Arbeit in Uganda.“, sagt Winnie Nabwami (31). Und sie weiß recht genau, wovon sie spricht.

Winnie Nabwami ist Theaterpädagogin und Dramaturgin. Ihr Studium an der Makarere-Universtät in Kampala schließt sie 2014 mit Auszeichnung ab. Bereits als Schülerin hat sie einen tollen Abschluss hingelegt. „Meine Freundin hatte 24 Punkte im Abitur und ich 23. So gute Noten hatte an unserer Schule zuvor niemand! Das war so unglaublich, dass sie uns die Zulassung zur Universität verweigert haben und behaupteten, wir hätten betrogen. Hatten wir aber nicht. Wir hatten einfach Freude am Lernen und vielleicht ein bisschen Glück.“, lächelt sie. Und nach einer juristischen Auseinandersetzung geht es mit einem Jahr Verzögerung dann doch an die Universität in der Hauptstadt.

Während dieses Jahres arbeitet Winnie Nabwami am Empfang einer Privatklinik in der Hauptstadt. „Dort kamen die Leute aus der Mittel- und Oberschicht. Ich kannte bisher nur die Geburtsstation in der Region Kalungu. Hier schicke Einzelzimmer und gute Ärzte, dort schlechte Versorgung, wenig Personal und viele Frauen in einem Saal. Da wusste ich: So wie die Reichen hier, so möchte ich leben. Ich möchte nicht zurück in die Armut. Und das geht nur, wenn ich lerne, mich entwickle und das Beste aus mir mache.“, sagt sie überzeugt.

Geboren ist sie in einem Dorf im Südosten Ugandas. Sie ist das Vierte von 10 Kindern. Ihre Eltern haben etwas Landwirtschaft. Kaffee und Gemüse zum Eigenbedarf und zum Verkauf. Ihr Vater verdient Geld als LKW-Fahrer. Und er kümmert sich darum, dass alle Kinder zur Schule gehen können.

Für Winnie heißt das: für die Einschulung geht es weg vom Dorf, zu einer Tante in die Stadt. Dort sind die Schulen besser. Die Tante stirbt, sie muss umziehen. „Ich bin viel umgezogen und habe bei verschiedenen Verwandten gelebt. Oft war ich durcheinander. Wie verhalte ich mich richtig, was ist falsch? Das war überall anders. Ich fühlte mich verloren.“

Sie vertieft sich in Bücher, liest an manchen Tag ein ganzes Buch, auch im Unterricht unter den Tisch. „Aber nur, wenn es besonders langweilig war“, schmunzelt Nabwami und schwärmt von der Theater-Arbeitsgemeinschaft an der Nyendo Mixed Sekundarschule. „Das war toll. Wir haben eigene Stücke geschrieben, geprobt, sogar an Wochenenden und hatten viele Freiheiten. In unseren Stücken ging es oft um alltäglich Dinge, um Lektionen, die einen das Leben lehrt. Wir sind in bei uns und auch in anderen Schulen auf die Bühne gegangen.“

Während sie das erzählt, ist ihr die Freude und Begeisterung für das Theater, besonders auch für das Lernen und Lehren mit Spaß und kreativen Mitteln direkt anzusehen. Und doch bewirbt sie sich dann für die Studienfächer Volkswirtschaft, Microfinanzen und als letzte Alternative für „Performing Arts in Drama und Film“. – „Wissen Sie, Schauspiel und Kunst haben bei uns keinen guten Ruf. Das machen nur die Faulen, heißt es. Das stimmt nicht, aber um Geld zu verdienen sind Banken und andere Unternehmen oft besser als Theater.“

Sie bekommt einen Studienplatz für „Darstellende Kunst in Theater und Film“. Und sie bekommt ein Stipendium. In der praxisorientierten Ausbildung gefällt hier besonders eine Art von gemeinschaftsbasierter und interaktiver Theaterpraxis: Das „Theater for Development“. Entwickelt vom Brasilianer Augusto Boal, zielt es darauf ab, Dialog und Interaktion zwischen Publikum und Darstellern zu schaffen, um den sozialen und politischen Wandel zu fördern. „Das ist mein Ding!“, sagt Winnie Nabwami, „Damit lässt sich wirklich etwas Gutes bewegen.“ Sie geht mit den Kommilitonen auf die Dörfer und sammelt Erfahrungen. Sie schreibt ein Stück gegen Korruption. „Aber selbst, wenn du in Uganda gegen Korruption kämpfst, gibt es Korruption. Das Stück wurde gelobt und dann wurde es mir geklaut.“

Einen festen Job findet Winnie Nabwami nach dem Studium nicht. Ihr Mann eröffnet einen Lebensmittelladen. Mit dem halten sie sich über Wasser. Nabwami engagiert sich weiter, ehrenamtlich, auch international. Ein Theatertreffen in Évora, Portugal bringt sie mit Studenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock zusammen. Hier bewirbt sie sich um einen Platz im Masterstudiengang „Theaterpädogik“ und erhält den Zuschlag. Mit 1 Million Ugandische Shilling, etwas 250 € kommt sie dort im November 2017 an. „Als erstes musste ich mir etwas Warmes zum Anziehen kaufen.“, lacht Nabwami und erzählt von tollen Leuten, die sie kennenlernt und von anstrengenden Zeiten, weil ständig Schwierigkeiten zu meistern sind und sie ihren kleinen Sohn und ihren Partner vermisst.

In Schwerin arbeitet sie zurzeit an der „Schule der Künste“. „Ich finde Schwerin wunderbar, habe mich an der Kultur Nacht Schwerin 2019 beteiligt. Gerne würde noch eine Weile bleiben und arbeiten, bevor ich in Uganda neu starte.“, sagt sie hoffnungsvoll. „Immerhin, ich habe schon an Krankenhäusern, in Schulen und Kindergärten gearbeitet.

Vielleicht klappt es ja.“ - Über ein Jobangebot würde ich die engagierte Theaterpädagogin wirklich sehr freuen.

Länderinfo Uganda

Die Republik Uganda liegt in Ostafrika. Nachbarländer sind im Norden der Südsudan, im Osten Kenia, im Süden Tansania, im Südwesten Ruanda und im Westen die Demokratische Republik Kongo. Die Grenzen zu Kenia und Tansania verlaufen auch durch den Victoriasee.


Knapp 43 Millionen Einwohnern leben auf einer Fläche, die etwa 2/3 Deutschland ausmacht. Mit nur 15,8 Jahren ist das Durchschnittsalter fast 30 Jahre niedriger als das der Deutschen. Das Land zählt zu den korruptesten und ärmsten Ländern der Welt. Uganda hat in den vergangenen Jahren mehr Flüchtlinge aufgenommen als alle Länder der EU zusammen. Präsident Yoweri Museveni schreckt vor Menschenrechtsverletzungen nicht zurück. Er führt das Land seit 1986 autoritär. Als junger Mann beteilgte er sich am Sturz Idi Amins. Seine Herausforderer für die Präsidentschaftswahl 2021 haben es schwer. Besonders der, bei den jungen Leuten beliebte, Sänger Bobi Wine bekommt das zu spüren. Sie nennen ihn aufgrund seines sozialen Hintergrundes „Ghetto President“ genannt. Wine ist Abgeordneter im Parlament von Uganda. Aufmerksamkeit erregte im August 2018 seine Inhaftierung und eine damit einhergehende Anklage wegen Hochverrats. Amtssprachen sind Englisch und Swahili, im autonomen Königreich Buganda auch Luganda; wenigstens 40 weitere Sprachen werden im Alltag verwendet. Mit ausländischer Hilfe, insbesondere aus China, gibt es seit einigen Jahren eine positive wirtschaftliche Entwicklung.