Meisterliche Mittelblockerin Beta Dumančić aus Kroatien

Beta Dumancic

„Everything happens for a reason.“, sagt Beta Dumančić und lacht. ‚Alles geschieht aus einem Grund‘, das klingt nach einem Grundvertrauen und die 29-jährige Volleyballerin des SSC Palmberg Schwerin aus Kroatien strahlt genau dieses auch aus.

2016 kommt sie als Spielerin des tschechischen Clubs SK UP Olmütz zum ersten Mal in die Stadt. „Unser Team hat im Hotel am Hauptbahnhof übernachtet und wir waren auch kurz am Pfaffenteich. Das Pokal-Spiel gegen den SSC Palmberg Schwerin haben wir haushoch verloren.“, schmunzelt Dumančić. „Meist bekommen wir ja bei den Auswärtsspielen gar nicht viel von den Orten mit, an denen wir spielen. Aber Schwerin hat mir schon damals gefallen.“

Beta Dumančić kommt 1991 fünf Tage vor dem Beginn des Kroatienkrieges in Osijek nahe der Grenze zu Serbien zur Welt. „Die meisten Leute kennen unsere Hauptstadt Zagreb und Städte an der Küste. Aber Osijek kennt hier kaum jemand.“, so Dumančić. Dabei ist ihre Heimatstadt die viertgrößte Stadt des Landes. Mit einer Universität, Theatern und Museen ist sie das kulturelle Zentrum der Region. Osijek liegt an der Drau, einem Zufluss der Donau. Nahe Osijek und Vukovar liegen noch immer Landminen. Wirtschaftlich hat sich die Region von den Folgen des Krieges und der Privatisierung der Unternehmen bis heute nicht erholt.

„Wir haben die ersten Jahre auf der rechten Seite des Flusses im Haus meiner Großmutter gelebt. Meine Mutter ist schon dort geboren. Die Nachbarn hatten Hühner und wenn meine jüngere Schwester und ich auf die Straße gingen, waren eigentlich immer schon andere Kinder dort, mit denen wir gespielt haben. Als ich zwölf war, sind wir auf die andere Seite der Drau in einen Vorort von Osijek gezogen.“, erzählt Beta Dumančić.

Wenig später kommt das junge Mädchen eher zufällig zum Volleyball. „Ich bin als Kind sehr schnell gewachsen. Und der Arzt meinte, ich solle doch Sport machen.“, sagt sie. Ihre Cousine, sie ist ein Jahr älter und war immer wie eine große Schwester für Beta, spielt bei ŽOK Pivovara Osijek Volleyball. Da geht Beta dann einfach mal mit. „Und ich war wirklich groß für meine Alter. Die Trainer waren sofort begeistert.“, lacht sie. Von nun an steht sie im Mittelblock des ŽOK Pivovara Osijek. „Am Anfang war ich ziemlich ungeschickt. Aber ich habe schnell gelernt. Heute ist meine Größe unter den professionellen Volleyballerinnen völlig normal, aber damals war ich schon eine echte Ausnahme.“

Ihre Cousine hört zwei Jahre später mit dem Sport auf. Doch Beta Dumančić bleibt am Ball. Und sie wird richtig gut. Mit 18 Jahren spielt sie in der Landesliga. Die erste Mannschaft war in der Liga lange auf den Spitzenplätzen. „Ich war die Jüngste, als ich zum Team kam. Die anderen Frauen waren deutlich älter. Einige haben mich aufgenommen wie ihre Tochter.“

Dumančić verletzt sich schwer. Sie muss operiert werden. Für ein Jahr fällt sie aus. Nach der Verletzungspause ist sie unsicher, ob und wie es für sie mit dem Profisport weitergeht. „Ich hatte viel Glück. Eine andere Sportart habe ich nie ausprobiert. Aber wer weiß?“ So bewirbt sie sich an einem College in den USA. Beta Dumančić sendet ihre Unterlagen und Videos als Volleyballspielerin ein. „Für ein Stipendium musst du bereit sein, im Team deiner Hochschule zu spielen und dich auf deine Ausbildung zu konzentrieren.“ Es klappt.

„Aufgeregt war ich vor allem wegen der Sprache. Mein Englisch war nicht so gut und nun sollte in der fremden Sprache leben und lernen. Die Familie kannst du ja nicht wegen jeder Kleinigkeit mal eben anrufen.“ Zunächst besucht die 19-jährige das Jefferson College in St. Louis, Missouri. Dann studiert sie Wirtschaft und Tourismus an der Clemson Universität in South Carolina und spielt Volleyball im Team der „Clemson Tigers“.

Gut vier Jahre später kehrt sie im Sommer 2015 zurück nach Osijek. Sie hat den Bachelor in der Tasche, spricht gutes Englisch, hat in einer internationalen Gemeinschaft viel dazu gelernt. „Du lernst Schimpfwörter in allen Sprachen, bekommst einen anderen Blick auf die Welt und lernst Menschen zu verstehen, die anders sind als du selbst.“, lacht sie.

Zurück in Kroatien wartet Dumančić darauf, dass sich die Volleyballvereine bei ihr melden und sie als Spielerin verpflichten wollen. „Das habe ich wirklich gedacht!“, amüsiert sie sich über sich selbst und ergänzt: „Aber niemand rief an und ich musste mich dann selber kümmern.“

Als Mittelblockerin geht sie zum tschechischen Verein SK UP Olmütz, mit dem sie dann auch in Schwerin spielt. Sie läuft für die kroatische Nationalmannschaft beim Grand Prix 2016 auf. Für die Saison 2016/2017 wechselt Dumančić in die polnische Liga zum PTPS Pila und 2017/2018 spielt sie erstmals für den SSC Palmberg Schwerin. – Ein Zufall?

Eine Verlängerung des Vertrags gibt es im Frühjahr 2018 nicht. „Das war schade, aber nicht schlimm. Ich hatte ein paar Angebote. Doch keines fühlte sich richtig an. Außerdem wollte meine Cousine im September heiraten und ich sollte die Trauzeugin sein. Da passte die Pause ganz gut. Während des Hochzeitsessens in Kroatien bekam ich dann überraschend die Nachricht, dass Marie Schözel verletzt beim SSC ausfalle und ich sie vertreten könne. Das war kein schöner Anlass für die Rückkehr nach Schwerin. Doch ich habe gerne zugesagt. Es war ein bisschen wie nach Hause kommen. Und ich lebe und arbeite wirklich gerne hier. Ich lerne viel, wir sind ein tolles Team und inzwischen habe ich auch viel mehr von Schwerin gesehen als beim ersten Besuch.“

Ob sie etwas vermisst in Schwerin? „Vielleicht schreiben Sie das besser nicht?!“, lächelt sie. „Von meinem Vater habe ich früh gelernt, wie ein guter Kaffee aussieht, wie er riecht und wie er schmeckt. Einen richtig guten Kaffee finde ich hier nur schwer. Vielleicht bei Durante, aber das sind ja auch ehemalige Volleyballer.“

Länderinfo Kroatien

Die Republik Kroatien ist etwa doppelt so groß wie Brandenburg. Der Staat, der Mittel- und Südeuropa verbindet, hat rund 4,2 Millionen Einwohner. Etwa 3,7 Millionen Kroaten leben im Ausland, 375.000 von ihnen in Deutschland, 35 in Schwerin. Hauptstadt und größte Stadt ist Zagreb, weitere Großstädte sind Split, Rijeka und Osijek.

Die 1.778 Kilometer Adriaküste Kroatiens waren schon zu Zeiten der Habsburger Monarchie ein beliebtes Reiseziel. 1.246 Inseln, von denen 47 dauerhaft bewohnt sind, gehören zum Land. Fast 3 Millionen Bundesbürger haben ihren Urlaub 2019 in Kroatien verbracht. Das Gebiet um die Hafenstadt Dubrovnik im Süden des Landes verfügt über keine direkte Landverbindung zum übrigen Staatsgebiet. Ein wenige Kilometer breiter Meereszugang von Bosnien und Herzegowina trennt die Exklave vom Rest des Landes.

Alle Wirtschaftszeige erleiden in den 90er Jahren infolge des Krieges erhebliche Einbußen. Die Privatisierung der überwiegend staatlichen Unternehmen geht einher mit dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze. Freihandelszonen sollen helfen, neue Unternehmen anzusiedeln.

Kroatien ist Mitglied der Europäischen Union, der NATO, der Welthandelsorganisation, der OSZE und der Vereinten Nationen. - 2018 wurde die kroatische Fußballnationalmannschaft Vizeweltmeister.