Das Gespräch mit dem Patienten ist im wichtig Dr. Dušan Vojvodić

Dušan Vojvodić, Bosnien

„Wenn ich Leute fragen: Woher kommen Sie?, dann sage ich oft: Ich komme aus dem ehemaligen Jugoslawien“, so Dušan Vojvodić aus Banja Luka in Bosnien-Herzegowina. „Viele Leute hier kennen die neu entstandenen Staaten nicht und so ist es einfacher.“

Mitten in Jugoslawien

Als Dušan Vojvodić 1981 zur Welt kommt, liegt Banja Luka mitten in Jugoslawien. Die Bevölkerung der Gegend um Banja Luka ist vor dem Bosnienkrieg (1992 bis 1995) ethnisch gemischt. Die Stadt wird durch die Kriegshandlungen nur wenig in Mitleidenschaft gezogen, jedoch ändert sich die Zusammensetzung der Bevölkerung. Viele der nichtserbischen Bewohner fliehen oder werden vertrieben. Zugleich nimmt die Stadt viele serbische Flüchtlinge aus anderen Teilen Bosniens auf. „Als das mit dem Krieg begann, war ich in der 3. oder 4. Klasse. Bombardierungen habe ich nicht erlebt. Aber oft hatten wir Stromausfall, es gab kein Wasser, der Verkehr lief nicht. Mein Vater war bei der Armee. Manchmal kam er für eine Woche nach Hause und dann war er wieder für 3 Monate weg.“, erinnert sich Vojvodić. „Mein Bruder und ich, wir waren Kinder. Für uns war das in gewisser Weise Normalität.“ Nach dem Krieg spricht der Vater nicht viel über die Zeit. „Wenn wir ihn etwas gefragt haben, dann schon. Er hat immer gesagt, dass der Krieg das Schlimmste hervorbringt, das im Menschen schlummert.“, sagt Dušan Vojvodić nachdenklich.

Lieber Arzt als Regieseur

„Unser Vater hätte gerne gesehen, dass wir Jungs Ingenieure für Maschinenbau oder Elektrotechnik werden. Für mich war das nichts. Für mich stand früh fest, dass ich Arzt werden möchte.“, so Vojvodić. Doch es gab auch eine Alternative. „Mein Bruder ich waren als Schüler fast 10 Jahre lang Schauspieler in einer Amateur-Theatergruppe. Und damals konnte ich mir gut vorstellen, später einmal Regisseur zu werden.“ Sein Bruder wird Architekt. Auch Dušan Vojvodić bewirbt sich um die Zulassung zur Universität. Seine Punktezahl aus dem Abitur und der Aufnahmeprüfung reichen aus und er beginnt an der Universität von Banja Luka das Medizinstudium. - „Das viele Sitzen und Lernen fiel mir nicht schwer.“, sagt er. „Ich war mit Leidenschaft dabei. Und wenn man die sogenannten „Vorklinik“, also die Grundlagen in Biologie, Chemie, Physik, Anatomie, Physiologie und so weiter, geschafft hat, wird es interessanter.“

Neben der Medizin ist die Geschichte sein Steckenpferd. „Ich lese viel und schaue gerne historische Dokus. Mit der Geschichte Schwerins habe ich mich noch nicht sehr befasst. Wallenstein, 30jähriger Krieg und Fürstentum fallen mir ein. Und Preußen.“, lacht er.

Hausarzt auf dem Land

Seine Laufbahn als Mediziner beginnt Dušan Vojvodić nach der Staatsprüfung. Er ist 28 Jahre alt. Als Pharmavertreter geht es los. Er wechselt in eine Poliklinik und bekommt etwas später einen Job im Ministerium für Gesundheits- und Sozialwesen. „Ich dachte, das sei eine Chance und hatte mir das wirklich toll vorgestellt. Aber es war reine Verwaltung. Keine Patienten. Alles geregelt, pünktlich Feierabend, keine Überstunden, kein Nachtdienst und am Wochenende frei. Nach 2 Jahren war es genug und ich ging als Hausarzt in ein Dorf.“ Das Dorf ist gut 40 Kilometer von Banja Luka entfernt. Das Leben ist dort völlig anders. „Eine Krankenschwester, eine Reinigungskraft, ein Apotheker und ich. Die Zentrale war in der Stadt.“, sagt er. Es wohnen überwiegend alte Menschen dort, oft sind sie allein. Die Kinder sind in der Stadt oder im Ausland. Da ist der junge Arzt nicht nur ein Allrounder für Notfälle aller Art, sondern auch ein bisschen Seelsorger. „Einige Leute brauchten gar keine direkte medizinische Versorgung. Sie haben sich nur ein Rezept geholt. Das dauert nur 2 Minuten und dann hatten wir 15 Minuten Zeit für ein Gespräch. Oft habe ich nur zugehört und gar nicht viel gefragt. Das war das Schönste an dieser Arbeit.“, lächelt Dušan Vojvodić.

Sloweinien oder Deutschland

Bereits im Studium denkt er an das Arbeiten im Ausland. An erster Stelle steht Slowenien. Das erscheint naheliegend: ähnliche Sprache, Teil des ehemaligen Jugoslawiens, nicht weit von Zuhause. Doch dort sind ihm die bürokratischen Hürden hoch. „Ich hatte ein paar Bekannte, die in Deutschland lebten, und begann ich Deutsch zu lernen und habe beim Goethe-Institut in Sarajevo die Sprachprüfung bestanden.“ In Hannover besucht er eine Sprachschule, die sich auf die Qualifizierung von medizinischem Personal spezialisiert hat und mit einem Arbeitsvermittler kooperiert. Dieser hilft bei der Stellesuche. Dušan Vojvodić beginnt in der Neurologie einer Reha-Klinik in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2018 arbeitet er an der Helios-Klinik und ist in der Weiterbildung zum Facharzt. Seine Approbation und Niederlassungserlaubnis hat er bereits in der Tasche.

Besonders gern hat Vojvodić in einer kleinen, möblierten Wohnung am Zippendorfer Strand gewohnt. Inzwischen ist er in eine größere Wohnung am Ziegelsee gezogen und freut sich auf seine Freundin. „Als ich vor einiger Zeit von einer Reise aus Bosnien kam und über die Kreuzung in Mueß in Richtung Schwerin fuhr, da war mir klar: Hier ist jetzt mein Zuhause.“

Länderinfo Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina - verkürzt Bosnien genannt - ist ein Bundessaat in Südosteuropa. Die Region „Bosnien“ im Norden nimmt rund 80 Prozent des Staatsgebiets ein. Die kleinere Region „Herzegowina“ liegt im Süden. Nachbarstaaten sind im Norden und Westen Kroatien, im Osten Serbien und Montenegro im Südosten.


Die bosnisch-herzegowinische Bevölkerung ist mit rund 3,5 Millionen etwa so groß wie die von Berlin. Große Landesteile sind nur dünn besiedelt. Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich im Raum Sarajevo sowie in den Tälern der größeren Flüsse. Das politische System wird häufig als das „komplizierteste Regierungssystem der Welt“ bezeichnet. Der Gesamtstaat, die großen Ethnien der Bosniaken, Kroaten und Serben und die 10 Kantone haben jeweils eigene legislative und exekutive Strukturen. Dazu unterliegt das Land noch einem internationalen Mandat des UN-Sicherheitsrates. Der gesamtstaatlichen Ebene waren lange Zeit nur die Außenpolitik, die Geldpolitik sowie die Außenwirtschaftsbeziehungen zugeordnet. Die Kompetenzen des Zentralstaats werden schrittweise um weitere Aufgaben (Verteidigung, Zoll und indirekte Steuern, Verfolgung und Aburteilung von Kriegsverbrechern und Bekämpfung der Schwerkriminalität) ergänzt.