Sie sprüht vor Energie Pianistin Paolina Bunderla

Paolina Bunderla, Montenegro

„Wir verstehen uns!“, lacht Paolina Bunderla aus Montenegro herzhaft, „Auch bei uns sagt man, dass auf dem Balkan alles 50 Jahre später passiert als anderswo. Aber für Schwerin kann mich mir das nicht vorstellen. Schwerin ist wirklich schön, so viel Natur, das Schloss, die Seen. Es könnte vielleicht ein bisschen lebendiger sein.“, ergänzt sie vorsichtig.

Verliebt in Schwerin

Seit August 2020 ist die Pianistin, Korrepetitorin für Instrumente und Gesang, Sängerin und Chorleiterin in der Landeshauptstadt. Ihre letzten Stationen waren Graz und Wien. „Ich bin total verliebt in Schwerin. Eine ideale Stadt für Familien!“, ist sie überzeugt und sprüht vor Energie und Ideen für künstlerische Projekte. Gerade frisch verheiratet wäre sie als „Duo Bunderla“ gerne mit ihrem Ehemann, Matej Bunderla-Havaj, im Dezember 2020 auf dem Marktplatz vor dem Säulengebäude im Rahmen des Musikalischen Adventskalenders aufgetreten. Corona bedingt fällt das aus. Das ist nicht die erste Veranstaltung, die sie absagen muss. Auf ihrer Internetseite www.goldenstringspianolessons.com kündigt sie am 12. März 2020 an, dass all ihre Chor-Konzerte in Graz und Wien bis September ausfallen müssen. Es ist ihr Geburtstag und sie hätte sicher gerne schönere Nachrichten verkündet. Im Mai teilt sie ihren Klavierschülern mit, dass der Unterricht fortan online, per Skype, WhatsApp oder Zoom stattfinden wird.

Klavier: "russische Schule"

Paolina Dečević ist in Herceg Novi im Westen Montenegros aufgewachsen. Der Ort liegt an der Adria am Eingang der Bucht von Kotor. Beide Eltern sind kreativ. Die Mutter malt in der Freizeit und der Vater ist technisch versiert. „Papa konnte alles bauen, was er sich vorgestellt hat. Und er hatte eine tolle Stimme, konnte viele Arien singen. Doch weil er eine Familie hatte, hat er lieber als Automechaniker Geld verdient statt Opernsänger zu werden. Er hat entschieden, dass ich Klavier lerne und mit 5 Jahren war ich schon drin in der „Maschinerie“: Lernen und Wettbewerbe. Das war die „russische Schule“.“ erzählt sie. Die Familie lebt am Meer und ein bisschen Zeit zum Schwimmen oder zum Segeln bleibt zum Glück auch. Nach der Mittelschule zieht Paolina mit 14 Jahren zur Oma nach Novi Sad. Dort ist das Musikgymnasium. „Damals habe ich eine neue Welt entdeckt.“, lacht sie. „Vom Charakter her bin ich ein neugieriger Mensch, möchte alles wissen, sehen und erleben. Bei Oma habe ich angefangen, Kung Fu zu trainieren, zu klettern.“ Eiskunstlauf wird ihre Leidenschaft. Obwohl sie kein Russisch kann, besorgt sie sich russische Bücher, um biomechanische Zusammenhänge und Techniken bei Sprüngen mit Drehungen zu verstehen.

Sie ist vielseitig

Nach dem Abitur studiert sie an der Akademie der Künste der Universität Novi Sad das Konzertfach Klavier bis zur Masterprüfung 2009 und absolviert parallel dazu eine klassische Gesangsausbildung am Musikgymnasium „Isidor Bajic“. Auch technisch ist sie interessiert und so schließt sie zusätzlich einen Grundkurs der Toningenieur-Ausbildung ab. Die junge Musikerin setzt das Lernen fort. In Graz, Österreich schließt sie 2016 auch den Masterstudiengang „Klavier-Vokalbegleitung“ ab, absolviert den Studiengang „Chorleitung und Gruppenstimmbildung“ am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium. Sie nimmt an Meisterkursen bei Professoren aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, England, Serbien und Russland teil. So erweitert sie ihr Repertoire und ihr Können. „Eine meiner Treibfedern war das anhaltende Gefühl, dass ich noch nicht gut genug sei“, meint sie nachdenklich. „Schon neben meinem Studium habe ich als Klavierlehrerin und als Korrepetitorin für Gesang und Instrumentalmusik bei Wettbewerben, Konzerten und Musikprüfungen in Serbien und Montenegro gearbeitet.“, sagt Paolina Bunderla. Als selbstständige Künstlerin ist sie in Graz und Wien bis 2020 Klavierlehrerin für Kinder und Erwachsene, unterrichtet Musikgeschichte, arbeitet als Korrepetitorin mit Solisten und Chören in Österreich und Deutschland.

Sie sieht das Potential der Stadt

Nun lebt sie in Schwerin und legt los: „Es gibt so viel Potential hier!“, strahlt sie. „An den schönsten Plätzen Schwerin, also nicht allen, das sind ja mehr als 100, haben wir im Oktober „die Reise des kleinen Prinzen“ in Szene gesetzt und mit Thomas Fink von Studio 2 bearbeitet. Wenn es wieder möglich ist, wollen wir eine Verbindung von Kultur und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern schaffen. Wir planen 12 Videos an schönen Orten über Künstlerinnen und Künstler aus dem vergangenen Jahrhundert. Mit dabei sind Musiker, Schauspieler, Tänzer. Ja, und einen Chor für Erwachsene würde ich gerne leiten.“, so Bunderla, die mit ihren Freunden und Kollegen sicher einiges auf die Beine stellen wird.

„Es gibt so vieles zu entdecken! Würde ich noch einmal auf die Welt kommen, würde ich am liebsten irgendwo am Meer leben, wo es eine Eislaufhalle gibt. Außer Klavier und Gesang noch Jura studieren, Malerei und Bildhauerei lernen.“, sagt sie fast atemlos. Ihre enorme Energie und Lebensfreude sind unübersehbar. Doch zunächst bleibt erstmal der Online-Klavierunterricht, den sie nun in Schwerin anbietet.

Länderinfo Montenegro

Die Republik Montenegro liegt an der südöstlichen Adriaküste. Das montenegrinische Staatsgebiet grenzt im Nordwesten an Kroatien, Bosnien und Herzegowina und im Nordosten an Serbien, im Südosten an den Kosovo und im Süden an Albanien.


Der Balkanstaat ist etwas kleiner als Schleswig-Holstein und hat fast so viele Einwohner wie Bremen. Die Hauptstadt und größte Stadt ist Podgorica. Hier haben fast alle wichtigen Institutionen der Republik ihren Sitz. Ausgenommen ist der Staatspräsident. Er residiert in Cetinje. Von 1946 bis 1992 hieß die Stadt nach dem ehemaligen Staatschef Jugoslawiens, Titograd. Seit 1920 hat Montenegro zu Jugoslawien gehört. 2006 wurde es unabhängig. Die Bevölkerung Montenegros ist wie die vieler Staaten Südosteuropas multiethnisch. Die Amtssprachen Montenegros sind laut der Verfassung Montenegrinisch, Serbisch, Bosnisch, Albanisch und Kroatisch. Hauptwirtschaftszweige sind der Dienstleistungssektor und der Tourismus, vor allem an der montenegrinischen Küste. Montenegro ist Mitglied der Vereinten Nationen, der WTO, der OSZE, des Europarates und der NATO. Herausforderungen für den Beitrittskandidaten zur Europäischen Union sind die Notwendigkeit, das organisierte Verbrechen zu bekämpfen, die Situation der Vertriebenen zu verbessern, den Angehörigen der Roma gleiche soziale und wirtschaftliche Rechte einzuräumen und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewährleisten.