Sie hat viele Talente Fateima Abdallaoui Alaoui

Fateima Abdallaoui Alaoui, Marokko

Fast 18 Jahre ist es her, seit Fateima Abdalloui Alaoui als junge Frau Marokko verlassen hat. "Ich habe die Verbindung zu meinem Land inzwischen verloren. Ich vermisse es nicht wirklich, meine Familie schon. Aber selbst die sagt, ich passe dort nicht mehr richtig hin. Niemals. Korruption, Geld unter dem Tisch, keine Ordnung im Verkehr, nirgendwo. Wer dort Geld hat, hat die Macht.", sagt sie und beschreibt, wie sie erlebt hat, dass Polizisten bei Verkehrskontrollen Busfahrer abkassieren.

Etwa 80 Kilometer südwestlich von Casablanca, in Azemmour, wächst Fateima Alaoui mit ihren 4 Geschwistern auf. "Aber das sagt bei uns nichts. Wichtig ist woher die Eltern kommen. Meine Mutter kommt aus Rabat und mein Vater aus Fes.", erklärt Alaoui.

Mit 18 macht sie Abitur, lernt ein Jahr die Grundlagen der Buchführung. "Das hat mir nicht gefallen. Immer nur Papier. Ich bin eher aktiv, ich brauche Bewegung.", sagt sie und schließt eine Ausbildung als Kauffrau in der Landwirtschaft am Institut Prince Sidi Mohamed an. Praktika führen sie in Betriebe, die Landwirte beraten und ihnen Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel verkaufen.

Nicht alle Pläne der jungen Marokkanerin gefallen auch ihren Eltern. Aber sie stehen ihr auch nicht im Weg. Für kurze Zeit pendelt sie zwischen Marokko und den Niederlanden. Dann entschließt sie sich, nach Spanien zu gehen. Auf Mallorca lebt ein Cousin, der ihr beim Einstieg hilft. Drei Jahre hält sie sich als Nachtwache für ältere Menschen und als Babysitter über Wasser. Die Jobs werden durch eine Agentur vermittelt. "Bei der Arbeit mit den kleinen Kindern habe ich Spanisch gelernt.", lacht sie. "Ich hatte auch einen Platz im Sprachkurs für Katalan. Aber ich kam mit den Sprachen durcheinander und habe dann lieber allein gelernt. Nach 6 Monaten habe ich die Prüfung in Spanisch für Fortgeschrittene bestanden."

Da Alaoui noch keine Arbeitserlaubnis hat, sind all ihre Jobs Schwarzarbeit. Nach 3 Jahren erhält sie einen regulären Arbeitsvertrag in einem Hotel. Sie macht eine Fortbildung als Rezeptionistin und sichert so ihren Aufenthalt im Land. Sie spricht Arabisch, Französisch, Spanisch und Englisch. "Das hat mir Spaß gemacht. Aber es war Saisonarbeit. Und im Winter hatte ich dann nur einen kleinen Job und habe weitere Fortbildungen besucht. Service, Housekeeping und so. Ich wollte alles wissen, was man im Hotel lernen kann und über alle Bereiche informiert sein, damit ich immer Arbeit habe.", sagt sie und fügt hinzu "In Spanien holen sie dich oft nur für 2 Jahre in dasselbe Hotel. Im dritten Jahr müssten sie dir einen festen Arbeitsvertrag geben. Ich kenne Leute, die machen das schon über 20 Jahre so."

Der Konkurrenzkampf um die Arbeitsplätze im Tourismus ist auch durch Einwanderer aus Südamerika groß. "Wenn ich 9 € pro Stunde bekomme und die arbeiten für 5 €, dann sind das 2 Stunden für fast dasselbe Geld. Und dein Aussehen ist wichtig. Eine hässliche Kellnerin bekommt dort kaum einen Job."

Die Wirtschaftskrise 2008 trifft Spanien hart. Fateima Alaoui bietet per Kleinanzeigen Sprachunterricht an und gibt Privatstunden in Arabisch und Französisch. "Du machst vieles, um zu überleben.", sagt sie nachdenklich. "Manchmal frage ich mich, woher ich immer wieder die Kraft finde." - Für einen Grosshandel sitzt sie an der Kasse. Ein befristeter Vertrag folgt dem nächsten. "Mal 3, mal 4, wenn es gut lief auch mal 6 Monate. Immer 19 Stunden laut Vertrag. Aber die Arbeitszeiten waren von Montag bis Samstag, manchmal von 08 bis 22 Uhr. Bezahlt wurde die Arbeitszeit, aber so erwirbst du nie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder bekommst einen festen Vertrag. Ich mochte einfach nicht mehr."

In Deutschland, auch in Schwerin, werden zu der Zeit im Rahmen des Ausbildungsprojektes MobiPro junge Menschen aus Spanien angeworben. Das liest Alaoui in einer Zeitung und nutzt 2013 die Gelegenheit. Sie beginnt eine Ausbildung als Altenpflegerin im Schweriner Augustenstift. "Im zweiten Lehrjahr habe ich meine große Liebe getroffen. Im dritten wurde ich schwanger.", lacht sie. Die Ausbildung schließt sie nicht ab. 2016 wird geheiratet und die Zwillinge Sara und Siren kommen zur Welt.

Seit April 2018 ist Fateima Alaoui nun Dolmetscherin bei der WGS. "Ich bin sehr dankbar für die Arbeit. Ich habe tolle Kollegen. Und alles was ich gelernt habe, alle meine Talente kann ich dort nutzen. Das ist wunderbar." Und weitersagt sie: "Ein Stück meines Herzens ist in Mallorca. In Marokko bin ich gern für ein paar Tage bei meiner Familie. Aber in all den Jahren habe ich viel gelernt, bin sehr selbstständig geworden. Dort passe ich nicht mehr hin. Hier in Schwerin habe ich viele freundliche Menschen kennengelernt. Ich mag die Stadt, die Natur. Hier ist jetzt mein Zuhause. Aber manchmal fehlen mir der Strand und der frische Fisch."

Länderinfo Marokko

Das Königreich Marokko, genauer Al-Mamlaka al- Maghribiya, liegt im Nordwesten Afrikas. Die Straße von Gibraltar trennt es vom europäischen Kontinent. Der Name "Marokko" leitet sich von der Stadt Marrakesch ab. Marokko ist seit 1956 von Frankreich unabhängig und laut Verfassung eine konstitutionelle Monarchie.

Als Brücke zwischen Europa und Afrika ist Marokko aufgrund der geostrategischen Lage und infolge der Reformpolitik ist Marokko ein wichtiges Partnerland der EU und Deutschlands. Wichtige Handlungsfelder der Zusammenarbeit sind erneuerbare Energien, Wasser, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt und Governance, sowie Migrationspolitik.


Rund 11 Millionen der insgesamt 34 Millionen Einwohner mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren sprechen außer Arabisch auch Berberi. Französisch ist als Geschäfts- und Bildungssprache verbreitet, Spanisch wird im Norden des Landes gesprochen. Rabat, die Hauptstadt Marokkos mit dem Regierungssitz und der Residenz des Königs, liegt an der Atlantikküste am südlichen Ufer des Bou-Regreg gegenüber der Nachbarstadt Salé. Rabat ist neben Fès, Meknès und Marrakesch eine der vier Königsstädte Marokkos. Die Grenze zum Nachbarn Algerien ist nicht zuletzt wegen des schwelenden Konfliktes im Süden Marokkos seit vielen Jahren geschlossen. In der Region Westsahara, die bis 1975 eine Kolonie Spaniens war und anschließend aufgrund loser historischer Bindungen in der vorkolonialen Zeit von Marokko und Mauretanien besetzt wurde kontrolliert Marokko etwa zwei Drittel der Gesamtfläche des Landes. Die Vereinten Nationen verlangen die Durchführung eines Referendums über den endgültigen völkerrechtlichen Status des Gebietes.