Hürden auf dem Weg zum Neustart Leslie Tidimane

Leslie Tidimane-Jaroschek, Botswana

In Frankfurt und Berlin war Leslie Tidimane-Jaroschek aus Botswana schon einmal als Besucherin. Schwerin soll ihr neues Zuhause sein.

Ihr Heimatort ist Bobonong. Er liegt im Osten Botswanas. Rund 40 Kilometer sind zur Grenze von Simbabwe, rund 65 Kilometer zur Grenze Südafrikas. Hier wächst Leslie Tidimane mit ihren 9 Geschwistern auf. "Eigentlich sind wir sogar 12. Die erste Frau meines Vaters starb. Und er hat dann meine Mutter geheiratet.", sagt sie.

In Bobonong besucht sie die Schule."Schon als junges Mädchen wollte ich gerne Sekretärin werden. Eine meiner großen Schwestern arbeitete als Sekretärin. Das wollte ich auch." Nach dem Abschluss an der Highschool schlägt sie diesen Weg erfolgreich ein.

Ihr erster Arbeitgeber wird Price Waterhouse Coopers, ein weltweit agierendes Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Sie wechselt in den Hotelbereich, wird Finanz- und Versicherungsberaterin. Später leitet sie als Geschäftsführerin ein Möbelhauses. "Aber dann bin ich zurück in die Versicherungsbranche. Der Vorteil als Beraterin ist, du kannst jederzeit und überall arbeiten. Niemand drängt dich, bestimmte Arbeitszeiten einzuhalten.", lacht sie, "Du musst erfolgreich sein und wöchentlich Berichte abliefern, aber das ist okay."

19 Jahre lebt und arbeitet Leslie Tidimane für nationale und internationale Unternehmen in Gaborone, der Hauptstadt des Landes.

Eine ihrer Schwestern arbeitet für South African Airways. Mit ihr gemeinsam verbringt sie 2013 ein paar Tage in Johannesburg, Südafrika. Auf der Terrasse eines Hoteös begegnet sie rein zufällig dem deutschen Ethnologen Rainer Jaroschek. Der Smalltalk mit einer Tasse Kaffee und dem Austausch der Visitenkarten entwickelt sich völlig unerwartet.

Leslie Tidimane reist zurück nach Botswana. Rainer Jaroschek, der in Südafrika für die GIZ - Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit - unter Vertrag steht, lädt sie ein. Sie verbringen ein Wochenende und beschließen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Mit Freunden und Familie machen sie Urlaub im weitläufigen Okavango Delta. Diese Region Botswanas, ein Lebensraum für viele Tiere Afrikas, steht unter dem Schutz der UNESCO.

Vielleicht ist das der Moment, in dem die Idee geboren wird, ein Reiseunternehmen zu gründen. Vorher aber führt der Weg Leslie Tidimane und Rainer Jaroschek zum Traualtar. Jaroschek adoptiert die Söhne Leslie Tidimanes, Trevor und Thabile. Die Familie lebt dann für 2 Jahre in Kambodscha. Reiner Jaroschek hat dort einen befristeten Arbeitsvertrag.

Im Fernstudium beginnt Leslie Tidimane-Jaroschek 2016 den Masterstudiengang "Internationales Tourismusmanagement" am Cyprus Insitute of Marketing. Gemeinsam starten sie mit ihrem Reiseunternehmen "Botswana4real". Sie organisieren Reisen in das Land im südlichen Afrika. Aber das soll keine Einbahnstraße sein.

Das Paar sucht für seine Zukunft einen neuen Wohnsitz. Die Wahl fällt auf Schwerin. Sie kaufen sich eine Wohnung am Ziegenmarkt und schmieden Pläne. "In Botswana gibt es eine wachsende, gut situierte Mittelschicht, die gerne schöne Reisen macht. Es gibt große landwirtschaftliche Betriebe, Rinderzucht zum Beispiel. Beides sind Zielgruppen, die wir gerne nach Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern holen möchten.", beschreibt Tidimane-Jaroschek ihr Vorhaben. Das wollen sie von ihrem neuen Zuhause aus verwirklichen.

Die IHK zu Schwerin scheint ähnlich zu denken. Für sie überzeugt Botswana durch ein gutes Geschäftsklima. Die IHK sieht das Land als attraktiven Markt und veranstaltet im September 2019 einen 'Botswana Business Day' in der Landeshauptstadt. Die Delegation Botswanas mit etwa 30 Personen knüpft Kontakte zu Unternehmen der Region.

Überraschend erhält Rainer Jaroschek Anfang 2019 ein neues Jobangebot der GIZ. Für 3 Jahre geht er nach Ost-Jerusalem. Das bringt die jüngste Planung der Familie etwas durcheinander und es scheint die Schweriner Ausländerbehörde zu überfordern.

"Ein bereits zugesagtes Visum für meinen Aufenthalt hier wurde zurückgezogen. Ich musste zurück nach Botswana, nur für einen neuen Stempel in meinem Pass! Die Dokumente unserer Hochzeit in Botswana wurden nicht anerkannt und auch die Tätigkeit meines Mannes für den deutschen Entwicklungsdienst zählte nicht. Ich hatte den Eindruck, die Behörde hat etwas gegen Ausländer. Statt mich als gut ausgebildete, potentielle Steuerzahlerin, als Ehefrau eines Deutschen und als Menschen willkommen zu heißen, behandeln sie mich wie eine Bettlerin.", meint Tidimane-Jaroschek angefasst.

Mit einem Dienstpass der Bundesrepublik Deutschland ausgestattet, begleitet sie nun vorerst ihren Mann nach Israel, wo ihre Jungen nun eine internationale Schule besuchen. Einen Fuß hat sie aber weiterhin in Schwerin und sagt mit fester Überzeugung: "Auch wenn es uns die Behörde nicht leicht macht: Hier wird unser neues Zuhause sein."

Länderinfo Botswana

Die Republik Botswana liegt im südlichen Afrika. In dem trockenen Binnenland trennt eine zentrale Hochebene die dicht besiedelte Graslandschaft im Osten von der Kalahariswüste und den Sümpfen des Okavangodeltas. In vorkolonialer Zeit bestanden mehrere kleine Königreiche auf dem Gebiet Botswanas, die unter dem Druck einwandernder Buren um britische Hilfe baten. Durch „Schutzverträge“ mit den Tswana-Herrschern war das Gebiet von 1885 bis 1966 unter dem Namen Betschuanalanddas größte britische Protektorat im südlichen Afrika.


Auf einer Fläche von der Größe Frankreichs leben rund 2,2 Millionen Einwohner. 1964 lebten in der Hauptstadt Gaborone etwa 3.800 Menschen, heute sind es rund 235.000. Gaborone in Botswana ist der Sitz der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC), einer Organisation, zu der sich 16 afrikanische Staaten zur wirtschaftlichen und politischen Integration im südlichen Afrika zusammengeschlossen haben. Die Wirtschaft floriert wegen der Diamantenvorkommen. Auch Rinderexporte und Tourismus spielen eine wichtige Rolle. Aufgrund der politischen Stabilität, wirtschaftlichen Entwicklung und der stetigen Verbesserung der Lebensumstände wird Botsuana oft als das "Musterland Afrikas“. Die Dauer des Schulbesuchs ist mit durchschnittlich 9,2 Jahren lang, die Alphabetisierungsrate mit rd. 88% hoch. Im Korruptionswahrnehmungsindex steht Botsuana besser da als Polen, Spanien und Italien. Für „Reporter ohne Grenzen“ hat das Land eine der freiesten Pressen innerhalb Afrikas.