It’s like meeting my roots. Iris Fenner-Bertani: Bürger Diplomatin

Iris Fenner Bertani

"Ich bin zum ersten Mal in Deutschland - auch in Schwerin, obwohl ich Deutsche bin und einen deutschen Pass habe.

Mein Großvater ist 1924 mit Frau und Kindern nach Paraguay ausgewandert, hat dort ein neues Leben begonnen und ist später nach Brasilien gegangen. Dort bin ich 1944 geboren. Das Haus meiner Großmutter in Piratuba, Santa Catarina, ist heute ein kleines Museum. Sie war die erste Deutsche dort. - Deutsche Auswanderer waren in Brasilien damals angesehene Leute.

Während des 2. Weltkrieg und danach wendete sich das Blatt und wir wurden geschnitten, ausgegrenzt. In der Schule wurden wir Kinder gemobbt, wenn klar war, dass wir Deutsche sind. Darum haben die Eltern uns geraten, kein Deutsch zu sprechen. Zu unserem Schutz. – Auch wenn ich also kein Deutsch spreche, bin überrascht, wie viel ich hier in Schwerin verstehe. Viele Erinnerungen kommen zurück an Ausdrücke, die meine Mutter gebraucht hat, an Lieder, die wir zuhause gesungen haben. Darüber bin ich glücklich. It’s like meeting my roots.

Schwerin gefällt mir gut. Eine schöne Stadt. Wir sind mit einer kleinen Gruppe hier und wohnen eine Woche bei unseren Schweriner Gastgebern zuhause. Wir alle sind Mitglieder von „Friendship Force“ und sind überzeugt davon, dass eine Welt von Freuden auf jeden Fall eine gute, friedliche Welt ist. Manche nennen unsere Art zu reisen „Bürger-Diplomatie“.

Hier mehr zu Friendship Force International und FF-Schwerin.

Länderinfo Brasilien

Die „Föderative Republik Brasilien“ ist - an Fläche und Bevölkerung gemessen - der fünftgrößte Staat der Erde. Auf fast der Hälfte der Fläche Südamerikas leben ca. 208 Millionen Einwohner. Brasilien hat mit fast jedem südamerikanischen Staat – außer Chile und Ecuador - eine gemeinsame Grenze.

Nach rund dreihundert Jahren als portugiesische Kolonie erlangt Brasilien 1822 die staatliche Unabhängigkeit, wird Kaiserreich, dann Republik. Mit Ende der Militärdiktatur 1964 – 1985 wandelte sich das Land zu einer präsidentiellen Demokratie. Einwanderer trugen über Jahrhunderte zur heutigen ethnischen Vielfalt Brasiliens bei. In einigen Gemeinden im Süden ist Deutsch neben Portugiesisch die zweite Amtssprache.

Nach einer längeren wirtschaftlich und politisch stabilen Phase erschüttern seit Jahren Bau- und Bestechungsskandale das Land. Präsident Jair Bolsonaro amtiert seit 2018. Er war seit 1991 Mitglied des brasilianischen Kongresses, wechselte während dessen mehrfach die Parteizugehörigkeit. Seine rechtskonservative und neoliberale Einstellung unterstreicht er vor allem mit rassistischen, frauenfeindlichen und die Militärdiktatur verteidigenden Äußerungen.

Die Heimat von Pelé, Paulo Coelho, Gisele Bündchen, Oscar Niemeyer und Paulo Freire wird hierzulande gerne gleichgesetzt mit Lebensfreude, Musik, Sonne und blauem Himmel. Doch Nachrichten zeigen ein anderes Bild: der jüngste Amoklauf an einer Schule in São Paulo, der Dammbruch von Brumadinho, abgeholzte Regenwälder im Amazonas, ermordete Menschrechtsaktivisten und Erdrutsche nach Regenfällen. Bei vielen Brasilianern ist die Lebensfreude gewichen. Wut und Resignation treten an ihre Stelle und nur wenig Hoffnung, dass sich das unter dem neuen Präsidenten schnell wieder ändert.