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Er kocht ... Julio Cesar Massobrio Ugolini

Julio Cesar Massobrio Ugolini, Argentinien

Argentinien ist ein Land mit einer langen Einwanderungsgeschichte. Schon die Verfassung von 1853 betonte die Bedeutung von Zuwanderung für die Entwicklung des Landes. Lange Zeit zog es vor allem europäische Migranten dorthin. Unter ihnen auch die Großeltern von Julio Cesar Massobrio Ugolini (31), die sich aus Italien auf den Weg über den Atlantik machten.

Im Badeort Mar del Plata, etwa 450 Kilometer südöstlich von Buenos Aires, kommt Julio Cesar Massobrio Ugolini 1989 zur Welt. In die Stadt mit etwa 600.000 Einwohnern kommen im Laufe des Jahres rund 3 Millionen Besucher. „Ich mag große Städte sehr.“, sagt Julio Massobrio

Julio Massobrio wächst bei seinen Eltern auf. Sein Vater arbeitet als Möbeltischler, seine Mutter studiert Psychopädagogik. In der Grundschule hat der junge Julio besondere Freude am Malen und Zeichnen. Die „Argentinien-Krise“ zwischen 1998 und 2002 erwischt auch seine Familie. Die sozialen Folgen der Wirtschaftskrise in Argentinien sind verheerend: Auf dem Höhepunkt beträgt die Armutsrate 57 % und die Arbeitslosenquote 23 %. Julios Vater macht sich auf den Weg nach Spanien und sucht dort nach Arbeit.

Auf Mallorca findet er einen Job als Kellner und holt seine Frau und seinen Sohn nach. „Für mich war das eine große Veränderung. Ich war 9 Jahre alt. Die Schule in Palma de Mallorca war völlig anders als in Argentinien. Dort war die Schule freier. Jetzt hatten wir morgens und abends Unterricht. Es ging alles immer zack zack.“, erinnert sich Massobrio. Und mit dem Malen und Zeichnen ist Schluss. „Du kannst das machen, aber mehr als Hobby. In Spanien war das keine Beschäftigung für einen Jungen.“

Mallorca gehört zu Katalonien. Und so ist die regionale Amtssprache Katalanisch auch die Unterrichtssprache in den meisten Schulfächern. „Oh, mir hat der Kopf geraucht und es hat ein bisschen gedauert, bis ich das gelernt habe.“, sagt er lachend.

Nach dem Schulabschluss folgt eine Ausbildung in der Krankenpflege. „Erst kam die Theorie. Danach war ich als Praktikant in 3 verschiedenen Krankenhäusern. Und dann kamen die Leute aus Deutschland, die junge Arbeitskräfte gesucht haben.“ – Das Angebot war verlockend: Deutschkurs, Wohnung, Praktikum in der Altenpflege sogar mit Bezahlung. Julio Massobrio kommt nach Schwerin. „Während der 3 Monate im Praktikum in der Altenpflege habe ich immer wieder gefragt, ob alles okay ist. Sie haben immer ‚Ja‘ gesagt. Und am Ende haben sie mich nicht übernommen. Das habe ich nicht verstanden.“, sagt er.

„Es blieb Kellner oder Koch. Da habe ich mich für Koch entschieden.“, so Massobrio. Seine Lehre beginnt er im Hotel Fritz, wechselt in den Niederländischen Hof und schließlich in das Restaurant Lukas in der Schweriner Altstadt. Und dann steht die Prüfung an. „Ich hatte da eine komplizierte Zeit und bin beim erstem Anlauf durch die theoretische Prüfung gefallen. Einen zweiten Versuch habe ich noch nicht gemacht.“, meint er nachdenklich.

„Innerhalb eines Jahres bin ich fünfmal umgezogen. Es war eine verrückte Phase in meinem Leben, eine Katastrophe. Ich wollte erstmal zur Ruhe kommen.“ Dabei hilft ihm sein Chef, Arne Lawrenz vom Lukas. Auf ihn lässt Massobrio nichts kommen. „Er hat mich sehr unterstützt. Ich habe einen Arbeitsvertrag und stehe im Lukas in der Küche. Auch bei der Wohnungssuche hat er mir geholfen. Mein Leben ist jetzt noch nicht perfekt, aber viel besser.“ In der Küche sind Fleisch und die Vorbereitung von Desserts sein Metier.

Die gewonnene Ruhe verbringt Julio Massobrio mit Reisen, mit seinen Hobbies und mit seiner neuen Katze. „Meine alte Katze hatte ich 18 Jahre lang. Die neue war grau als sie jung war, jetzt ist sie schwarz“, lacht er. Ihm gefallen die Skulpturen des Schweizer Künstlers HR Giger, dessen Museum er besucht. 2018 reist er zu einer Goldenen Hochzeit noch Argentinien, 2019 geht es mit einem Freund nach Japan. „Wir haben uns Tokio und Kioto angesehen und sind Leuten der Yakuza mit ihren Tattoos begegnet. Ein wenig Japanisch habe ich gelernt, aber Sake habe ich nicht getrunken.“

2020 steht ein „Rammstein Konzert“ in Frankreich auf dem Wunschzettel. doch dann kommt COVID und er bleibt in Schwerin. Hier macht er Yoga, geht ins Fitness Center, schaut Filme der Regisseure Christopher Nolan und David Cronenberg. Tango fällt zurzeit aus. Leider.

„Ich habe gerade die „The-Witcher-Reihe“ des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski gelesen. Dafür bleibt nach Feierabend manchmal noch Zeit.“, lächelt er und freut sich auf den Schweriner Winter und die nächsten Jahre in der Landeshauptstadt. „Ich mag es, wenn es hier kalt ist und Schnee liegt.“, sagt er und träumt davon, bald eine eigene Familie zu gründen.

Länderinfo Argentinien

Argentinien ist eine Republik im Süden Südamerikas. Der Name leitetet sich von ‚argentum‘ (lateinisch Silber) ab. Er stammt aus der Kolonialzeit, als man hoffte hier Edelmetalle zu finden. Bis zur Unabhängigkeit 1816 war Argentinien Teil des spanischen Kolonialreiches.


Im Norden grenzt Argentinien an Bolivien und Paraguay, im Nordosten an Brasilien und Uruguay, im Westen an Chile und im Osten an den Atlantischen Ozean. Mit knapp 2,8 Mio. km² ist Argentinien der achtgrößte Staat der Erde. Aufgrund seiner 3.694 km Nord-Süd-Ausdehnung hat das Land Anteil an mehreren Klima- und Vegetationszonen. Etwa ein Drittel der 44. Millionen Einwohner lebt in der Region der Hauptstadt Buenos Aires, die als bedeutendes Kulturzentrum Amerikas gilt. Große Teile des trockenen und kalten Südens sind nur sehr dünn besiedelt. Bis etwa 1950 war Argentinien eines der reichsten Länder der Erde. Die wichtigsten politischen Etappen seitdem sind der Peronismus (1946–1955; 1973–1976), mehrere Militärdiktaturen (u.a. 1976–1983), die Re-Demokratisierung (nach 1983) und der Neoliberalismus der 1990er Jahre. Damals galt Argentinien als ein positives Beispiel für finanzielle Stabilität und erfolgreiche Marktreformen, doch stieg die Staatsverschuldung kontinuierlich an. Dies war eine der Ursachen für die Argentinien-Krise und den Staatsbankrott im Jahr 2001. Am 31. Juli 2014 wurde Argentinien zum zweiten Mal seit 2001 zahlungsunfähig. Aktuell droht erneut ein Staatsbankrott.