Die Fachsprachenprüfung hat sie geschafft Khurshida Mamajonova aus Usbekistan

Khurshida Mamajonova, Usbekistan

Sie hat bestanden! Fast ein Jahr lang hat sich Khurshida Mamajonova in Schwerin auf die Prüfung vorbereitet. Und die Prüfung hatte es in sich.

Khurshida Mamajonova ist Ärztin. Geboren und aufgewachsen ist sie als jüngstes von drei Geschwistern in Asaka. Die Stadt liegt im usbekischen Teil des Ferghanatales. Das Tal wird vom Fluss Syrdarja in westlicher Richtung durchflossen. Mehr als zehn Millionen Menschen und damit etwa 20 % der Bevölkerung Zentralasiens leben in dem 300 km langen und bis zu 110 km breiten Tal. Diese Region erstreckt sich auf die Staatsgebiete von Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan. Sie gilt als das kulturelle Zentrum Zentralasiens.

„Meine Eltern waren Lehrer. Mein Vater unterrichtete Mathe und meine Mutter Russisch. Inzwischen sind sie beide Rentner“, sagt Mamajonova und erinnert sich an ihre Schulzeit. Ihre Lieblingsfächer waren Chemie und Biologie. „Ich wollte schon als Kind Ärztin werden.“, lacht sie.

Nach dem Schulabschluss geht Khurshida mit gerade einmal 17 Jahren an die Universität in Andijan, der nahegelegenen Provinzhauptstadt. „Wenn man gute Noten hat, ist das Studium bei uns kostenlos.“, erklärt Mamajonova. Sie erhält ein Stipendium. Neben ihrer Ausbildung gründet Khurshida Mamajonova eine Familie, bekommt einen Sohn und eine Tochter.

Sieben Jahre dauert das Studium der Humanmedizin. Die gesellschaftlichen Veränderungen Anfang der Neunziger Jahre im Rahmen der Unabhängigkeit Usbekistans von der Sowjetunion hat die Studentin nicht wirklich wahrgenommen. „Ich war zu sehr mit dem Lernen beschäftigt.“, sagt sie.

„Ich habe das „rote Diplom“, lacht Mamajonova. In allen Disziplinen hat sie die Note „Eins“ und schließt das Studium mit „Auszeichnung“ ab. Zwölf Jahre arbeitet Khurshida Mamajonova in der Abteilung für Inneres im Krankenhaus von Asaka. Sie qualifiziert sich als Fachärztin für Lungen- und Bronchialheilkunde und ist als „Pneumologin“ in einer Poliklinik tätig. „Ich liebe meinen Job. Ich freue mich immer, wenn es den Patienten besser geht.“

2013 geht ihr Mann nach Polen. Hier macht er sich selbstständig,handelt mit Autos und gebrauchten Autoteilen, die er in viele Länder exportiert. Auch Mamajonova macht sich 2017 auf den Weg nach Breslau. Dort besucht sie einen Deutschkurs. „Mein Sprachdiplom B2 habe ich am „Österreich Institut“ erhalten.“ Sie schmunzelt: „Natürlich haben wir dort „Hochdeutsch“ gelernt.“ Auch Landeskunde „Deutschland“ war ein Thema. „Wir haben viele Zeitschriften im Sprachkurs gelesen und da habe ich Bilder von Schwerin gesehen“.

Die hübschen Fotos von Schwerin haben ihr gefallen und sie bewirbt sich als Medizinerin in Mecklenburg-Vorpommern. Doch bevor sie hier im Land arbeiten darf, muss sie einige Hürden überwinden. Die Bundesärzteordnung verlangt den Nachweis der für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache. Khurshida Mamajonova sucht sich eine Wohnung in der Landeshauptstadt. Sie beantragt die Anerkennung ihrer medizinischen Ausbildung, macht ein Praktikum und lernt Deutsch.

Im Sommer 2019 beendet sie den Sprachkurs zur Vorbereitung auf die „Fachsprachenprüfung für ausländische Ärzte“. Die anderen Kursteilnehmern kamen aus Israel, aus Syrien, Rumänien, Armenien und Taiwan. Mit einigen von ihnen und Ärzten aus anderen Ländern übt Mamajonova für die Prüfung vor der Ärztekammer und wartet auf einen Termin. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe. Eine Kollegin simuliert zum Beispiel eine Hypertonie. Wir führen ein Anamnesegespräch und ich schreibe einen Arztbericht.“, beschreibt sie die gemeinsame Arbeit. „Ich habe in Schwerin nette Menschen kennengelernt. Auch meine Nachbarin hilft mir manchmal bei den Korrekturen.“

Mamajonova sieht ihre Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern. Und zugleich vermisst sie ihrer Heimat. „Naja, meine Eltern fehlen mir. Und die Wassermelonen schmecken dort besser“, schmunzelt sie. “Alle Jahreszeiten unterscheiden sich bei uns ganz deutlich. Bei uns ist Sommer wirklich Sommer. Da wird es schnell mal über 30 Grad, aber im Winter wird es auch richtig kalt. Auch mal 20 Grad unter Null.“

Im November 2019 ist es dann soweit. Prüfung in Rostock: Arzt-Patienten-Gespräch, Arzt-Arzt-Gespräch und eine schriftliche Dokumentation im Sinne eines Arztbriefes. Das verlangt die Prüfungsordnung. Und Khurshida Mamajonova besteht, natürlich. - Zu ihrem neuen Arbeitsplatz an der Helios Klinik Leezen war es dann nur noch ein kurzer Schritt.

Länderinfo Usbekistan

Die Republik Usbekistan in Zentralasien wurde 1991 unabhängig von der Sowjetunion. Nachbarländer sind im Westen und Norden Kasachstan, im Osten Kirgisistan, im Südosten Tadschikistan und Afghanistan, im Süden Turkmenistan. 30 Millionen Menschen leben hier.


Nationalitätenkonflikte treten im Ferghanatal im Osten des Landes wiederholt auf und ebenso wie Konflikte mit islamischen Fundamentalisten vor allem in den Grenzregionen. Von 1991 bis 2016 hatte Usbekistan unter Präsident Islom Karimov in der Welt im Hinblick auf die Menschenrechte einen miserablen Ruf. Das Verhalten der Bunderegierung gegenüber der Führung war zwiespältig. Einerseits diente viele Jahre lang der Luftwaffenstützpunkt Termez zur Versorgung deutscher Truppen in Afghanistan. Andererseits weigerte sich die Bundeskanzlerin, Karimov zu empfangen. Die mehr als 2 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Taschkent liegt nördlich der großen Seidenstraße an der Grenze zu Kasachstan am westlichen Rand des Tian-Shan Gebirges. Sie ist Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt mit U-Bahn und Flughafen sowie Kulturzentrum mit Universitäten, Forschungsinstituten, Theatern, Museen, Observatorium und Zoo. Der erste offizielle Besuch eines Staatsoberhauptes der Republik Usbekistan seit 1991 erfolgte im Januar 2019. Auf Einladung der deutschen Bundeskanzlerin traf im Januar 2019 der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Im Vorfeld des Besuches und im Zusammenhang mit der voranschreitenden Liberalisierung des Marktes und der verbesserten Menschenrechte in Usbekistan wurden in Berlin beim Deutsch-Usbekischen-Wirtschaftsforum Investitionsverträge mit einem Volumen von über 4 Mrd € unterzeichnet.