Seine Spezialität sind Aufzüge Majid Mohebbi aus dem Iran

Majid Mohebbi, Iran

Über Politik möchte er nicht so gerne sprechen. „Politik ist kompliziert. Oft gibt es Hintergründe, von denen wir nichts wissen und Interessen, die wir nicht kennen“, sagt Majid Mohebbi. Sein Metier sind Aufzüge, Fahrstühle. Damit kennt sich der Ingenieur für Elektrotechnik aus Teheran, der Hauptstadt des Irans, bestens aus.

In der Millionenmetropole Teheran wächst Mohebbi auf. Er ist der Dritte von 4 Brüdern. Der Vater arbeitet im Energieministerium. Die Mutter kümmert sich zuhause um die Jungs. „Auch im Iran gibt es natürlich Regeln. Meinen Eltern war es immer sehr wichtig, dass wir uns daran halten. Das haben wir gelernt und getan. Aber oftmals sind Beziehungen zu herrschenden Personen und die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen wichtiger als Qualifikation.“, sagt Majid Mohebbi. Doch seine Brüder und er gehen den geraden Weg. Heute sind alle 4 Ingenieure und haben gute Jobs.

Majid Mohebbi wird Spezialist für Aufzüge. Bei verschiedenen Arbeitgebern lernt er in gut 15 Jahren die unterschiedlichsten Fabrikate aller internationalen Hersteller kennen. „Ich habe Aufzüge repariert, hergestellt und verkauft. Und immer wieder etwas dazugelernt.“, schmunzelt Mohebbi, der auch als After-Sales-Manager gut verdient.

Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen und mit seinem Fachwissen entwickelt er eine elektronische Steuerung für Aufzüge und macht sich mit einem Partner 2016 selbstständig. Die Komponenten für Aufzugssteuerung kommen auch aus Deutschland, Italien und Spanien. „Das war zu der Zeit als Donald Trump in den USA Präsident wurde. Die Lieferanten mussten wir in US-Dollar bezahlen und das wurde von Tag zu Tag schwieriger, weil unsere Währung Rial gegenüber dem Dollar immer schwächer und die Bauteile immer teurer wurden. Tragisch war das.“, sagt Mohebbi. Er steigt aus und sucht eine neue Perspektive.

Der Plan, in ein englischsprachiges Land zu gehen, reift. Vielleicht nach Kanada oder Australien. Dann aber hat er sich doch anders entschieden. „Man braucht ein Visum für Kanada. Die kanadische Botschaft ist seit ein paar Jahren geschlossen. In Europa ist dasArbeitsplatzangebot für Fachleute gut. Europa ist näher am Iran.“, meint er und besorgt sich einen Termin in der deutschen Botschaft in Teheran und beginnt Deutsch zu lernen. Mit vielen, vielen Unterlagen geht er nach 13 Monaten Wartezeit zu einem Interview in die Botschaft. Seine Papiere sind bestens sortiert und er ist so gut vorbereitet, dass ihm ein Job als Mitarbeiter der Botschaft angeboten wird. „Das wollte ich nicht. Dafür bin ich kein Fachmann!“, lacht Mohebbi und macht sich auf die Suche nach Arbeit in Deutschland.

Majid Moebbi sucht über das Internet auf Webseiten mit Jobportalen wie „Stepstone“. Eine echte Herausforderung für jemanden, der noch Deutsch lernt und sich in den Wirrungen und Regularien für „Zuwanderer aus Drittstatten mit Visumspflicht“ nicht auskennt. Schließlich landet er bei der Agentur für Arbeit in Dortmund. Dort ist Herr Riedel sein Ansprechpartner. „Herr Riedel hat mir wirklich geholfen. Wir haben per Skype miteinander gesprochen. Er hat alle meine Unterlagen durchgesehen und mich mit Frau Rosemann von der Arbeitsagentur Rosemann in Pinnow bei Schwerin in Verbindung gebracht. Auch sie hat mich bei der Suche unterstützt.“

In Berlin hätte er arbeiten können. „Ich wollte es etwas ruhiger haben als in Teheran.“ So Mohebbi. Nach einem Gespräch mit André Hundt, dem Geschäftsführer von der BBB Ingenieurbüro für Bauwerksdiagnose – Bauphysik - Bauplanung GmbH entschied er sich für Schwerin. „Seit dem 12. März 2019 bin ich jetzt hier. Am Anfang standen Termine bei der Ausländerbehörde, ich brauchte ein Bankkonto und eine Krankenversicherung. Am 1. April habe ich bei BBB erst als Praktikant und einen Monat später als Mitarbeiter angefangen.“ Hier ist er vom Einkauf bis Schlussabnahme verantwortlich für Aufzüge in Projekten des Unternehmens in Hamburg, Schwerin, und Berlin.

Ein bisschen hadert Mohebbi mit der Bürokratie in Schwerin. Er fragt sich, warum zum Beispiel die von der deutschen Botschaft beglaubigte Kopie seines Bachelorabschlusses nicht akzeptiert wird und er weiter Nachweise und Anerkennungen durch die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB), die zentrale Stelle für die Bewertung ausländischer Qualifikationen in Deutschland vorlegen muss. „Trauen die Behörden hier der Arbeit in den Botschaften nicht?“, fragt er und absolviert klaglos die Lauferei mit Mietvertrag, Pass, Arbeitsvertrag und weitere Gespräche. Bei alledem wird er von Anja Rosemann bis heute tatkräftig unterstützt. Zurzeit hat Mohebbi einen Aufenthaltstitel für 3 Jahre.

Nach Feierabend besucht er einen Deutschkurs an der Volkshochschule. Und er wartet auf seine Familie. Auf seinem Smartphone zeigt Majid Mohebbi einen kurzen Film. Es ist die Feier am vierten Geburtstag seiner Tochter Mahoura, Al's sie mit der Mutter, Masoumeh noch in Teheran lebt. Dieses Jahr war Majid Mohebbi nicht dabei. Seine Frau ist da noch Lehrerin an einer Universität und unterrichtet Elektronik. “In Physik und Mathematik ist sie viel besser als ich. Wir waren Studienkollegen. Ihr Fachgebiet ist Satellitentechnik und -steuerung. Inzwischen freut Mohebbi sich, dass Frau und Tochter in Schwerin angekommen sind. Einige schöne Seiten der Stadt hat er ihnen bereits gezeigt. Und auch seine Schweriner Freunde und Herrn Weber aus Ventschow kennen sie schon. "Nun fehlen noch ein Platz im Kindergarten und ein paar nette Gesprächspartnerinnen für meine Frau.", lacht er zuversichtlich.

Die Arbeitsvermittlung erfolgte durch http://www.arbeitsagentur-Rosemann.de

Länderinfo Iran

Rund 83 Millionen Einwohner leben im Iran zwischen dem Kaspischen Meer und der Straße von Hormus am Persischen Golf. Das Staatsgebiet, bis 1935 als Persien bezeichnet, ist fast fünfmal so groß wie Deutschland. Es besteht zu einem großen Teil aus hohem Gebirge und trockenen, wüstenhaften Gegenden. Durch die Lage des Landes und seine Bodenschätze, allen voran die Erdgas- und die Erdölvorräte, ist es immer wieder im Focus politischer und militärischer Interessen anderer Staaten.


Der Iran bezeichnet sich seit der Islamischen Revolution 1979 als „Islamische Republik“. Die Wirtschaft war viele Jahre in einer tiefen Krise, gekennzeichnet durch einen hohen Anteil ineffizienter staatlicher Betriebe, durch Korruption und die Sanktionen im Gefolge des Konfliktes um das iranische Atomprogramm. Die Lockerung der Wirtschaftssanktionen nach Abschluss des Atomvertrages im Juli 2015 brachte dem Iran zwei Jahre mit positivem Wirtschaftswachstum, vor allem durch die Aufhebungen der Beschränkungen für iranische Ölexporte. Als Folge der 2018 reaktivierten US-Sanktionen schrumpft die Wirtschaft wieder kräftig. Strukturprobleme der iranischen Wirtschaft erschweren die Lage zusätzlich. Teheran ist als Hauptstadt auch das wirtschaftlich-kulturelle Zentrum und der wichtigste Verkehrsnotenpunkt des Iran. Weitere Millionenstädte sind Maschhad, Isfahan, Täbris, Karadsch, Schiras, Ahvaz und Ghom.