Opel und Mercedes sind Schuld Lorenzo Alvendia von den Philippinen

Lorenzo Alvendia von den Philippinen

Hört man seinen Namen, dann denken die einen an Italien, andere an Spanien. Ein bisschen stimmt das auch und ist dennoch verkehrt. „Mein Vater war Automechaniker und verliebt in die italienischen Ferraris und so habe ich den Vornamen des Gründers „Enzo“, in der Langfassung Lorenzo, bekommen.“, schmunzelt Lorenzo Alvendia (24). Er ist noch jung und bisher wenigstens 5 mal umgezogen. Ein paar Jahre lebt er in Antipolo City, einer Großstadt in der philippinischen Provinz Rizal auf der Insel Luzon in der Region Calabrazon. Klingt wie Kalabrien, oder?

Ab 1565 beanspruchte Spanien das Staatsgebiet der heutigen Philippinen mit seinen rund 7.600 Inseln als Kolonie. Spanisch war bis 1987 eine Amtssprache der Philippinen und wurde nach einer Schätzung von etwa 10 % der Bevölkerung als Muttersprache und von weiteren 60 % als Zweit- bzw. Drittsprache gesprochen. „Man nennt uns darum auch manchmal die Latinos von Asien.“ meint Alvendia.

Lorenzo Alvendia ist in Los Angeles geboren und im Alter von 3 Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern auf die Philippinen gezogen. Von dort waren seine Eltern ein paar Jahre zuvor in die USA ausgewandert. Zurück auf den Philippinen lebt die Familie zunächst im Haus der Großmutter. „Es ist bei uns normal, dass mehrere Generationen zusammenleben.“, so Alvendia. „Wir haben dann einige Jahre auf dem Grundstück des Vaters meiner Mutter gewohnt, der früher einmal Bürgermeister von Manila war. 2014 sind wir dann nach Antipolo gezogen. Das ist außerhalb der Hauptstadt. Es ist sehr grün und ruhiger dort. Aber bei dem Autoverkehr dauern die Wege jetzt viel länger. Der öffentliche Nahverkehr ist bei uns nicht so gut ausgebaut.“

Wie die Wohnorte, so wechselt Enzo Alvendia auch die Schulen. „An einer der Schule wurde der Beginn der Unterrichtszeit von 8 Uhr auf 7:15 Uhr verlegt. Das war wegen des hohen Verkehrsaufkommens in der Rush hour. Da hat meine Mutter vorgeschlagen, mal ein Jahr im „Home Schooling“ zu sein.“ In dieser Zeit übernehmen die Eltern und die ältere Schwester den Unterricht. Wirklich gefallen hat ihm das nicht. „Mir haben die Mitschüler gefehlt. Und ich war froh, wenn wir in der Freizeit mit anderen Kindern speilten oder Instrumente lernten.“

Zurück in der Schule schließt Enzo Alvendia mit seiner Mutter einen Vertrag. „Ich war unentschlossen, welche Schule ich besuchen wollte. Meine Mutter hat mir die Wahl überlassen, aber sie wollte auch sicher sein, dass ich durchhalte. Und so haben wir Regeln verabredet und Ziele vereinbart.“, so Alvendia. Er entscheidet sich für eine Internationale Schule, wird dort Schulsprecher und am Ende der zweitbeste Absolvent seines Jahrgangs.

Alvenida ist heute studierter Soziologe. Die University of the Philippines hat einen guten Ruf und das Studium ist mit 30.000 Philippinischen Peso (540 €) Studiengebühren pro Semester vergleichsweise preisgünstig. Für ein Semester geht er an der Universität in Seoul, Südkorea „Das war toll. Wir waren Leute aus ganz vielen Ländern dort und haben viel voneinander und miteinander gelernt“, sagt er. Besonders beeindruckt hat ihn das andere Leben dort. „Die Philippinen sind irgendwie „Dritte Welt“ und es war toll zu sehen, wie es auch anders sein kann. In Südkorea sind sie sehr organisiert und hierarchisch. Dort habe ich auch zum ersten Mal Schnee gesehen. Wir kamen aus der Kirche und die Leute hatten etwas Weißes auf ihren Köpfen. Das hatte ich noch nie gesehen. Schnee gibt es bei uns Zuhause nicht.“

Sein Traum ist es, irgendwann einmal für die philippinische Regierung zu arbeiten. Aber noch fühlt er sich dafür zu jung. Und so entschließt er sich 2018 nach dem Abschluss seines Studiums zunächst andere berufliche Erfahrungen zu sammeln. An seiner Hochschule arbeitet er im Bereich „Internationale Angelegenheiten“. Kooperationen mit Universitäten aus aller Welt werden hier vertraglich geregelt. „Die internationalen Gäste habe ich durch die Universität geführt und ihnen unser Studienangebot und unser Land vorgestellt.“

Nach Schwerin führte ihn der Zufall oder besser eine SMS. „Ich glaube, es war im Juni 2019. Ich war in Antipolo mit Freunden zum Essen unterwegs. Da sah ich eine Nachricht von Samanta auf meinem Handy. Sie ist eine Freundin und hatte hier in Schwerin 2016 ein FSJ – Freiwilliges Soziales Jahr – gemacht. Sie fragte mich, ob ich nicht auch eine FSJ in Deutschland machen wolle. Und ich fragte sie. Wo? Und wann? Und sie sagte: Im August. In Schwerin.“, lacht Alvendia. „Die Idee fand ich toll. Ich musste mich schnell entscheiden.“

Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Über das weltweite Netzwerk der Waldorfschulen bewirbt er sich um eine Stelle. Er muss seinen Arbeitgeber überzeugen und einigen Papierkram erledigen. Im September kommt er dann in der Landeshauptstadt an und unterstützt als „Assistent Teacher“ den Englischunterricht an der Schweriner Waldorfschule.

Die Corona-Zeit macht ihm zu schaffen. Der Sprachkurs an der Volkshochschule wird eingestellt. Der Unterricht an der Waldorfschule findet nicht mehr wie gewohnt statt. Er kennt noch nicht viele junge Leute in der Stadt und verbringt viel Zeit allein und in der Wohnung. Mit Netflix und Kinderbüchern übt er Deutsch. Auf dem Dach des Mietshauses macht er gelegentlich Sport. Dann schauen ihm beim Seilspringen die Nachbarn zu und winken.

Inzwischen hat er sich eine Gitarre besorgt und macht seine ersten Übungen mit Online-Anleitungen. Er freut sich darauf, dass es nun endlich wieder losgeht. „Es macht mir viel Spaß, mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, und zu erleben wie sie lernen und mit ihren Englischkenntnissen Fortschritte machen. Bei uns Zuhause gibt es 180 Sprachen. Englisch ist davon nur eine!“, lacht Enzo Alvendia, der immerhin in 7 Sprachen fit ist.

Länderinfo Philippinen

Die Republik der Philippinen ist ein Staat und Archipel mit 7.641 Inseln im westlichen Pazifischen Ozean in Südostasien. Sie bilden den fünftgrößten Inselstaat der Welt.


Die Bevölkerungsmehrheit der Philippinen ist katholisch. Benannt sind sie nach dem spanischen Infanten Philipp Las Islas Filipinas. Mehr als 300 Jahre waren sie spanische Kolonie. Einige Jahre waren die USA die Kolonialherren und von 1942 – 1945 besetzten die Japaner das Staatsgebiet. 1946 wurden die Philippinen unabhängig. Die Philippinen zählen zu den aufstrebenden „Next Eleven.“ Aus europäischer Sicht gelten sie als arm. Nach Jahrzehnten der korrupten Marcos-Diktatur verhindert das große Ausmaß an Korruption weiterhin alle Versuche, eine stabile Demokratie zu bilden. Der Gegensatz zwischen einer kleinen reichen Oberschicht und der breiten Bevölkerungsmehrheit ist groß. In der Metropolregion Manila etwa stehen beeindruckende Wolkenkratzerstadt mit zahlreichen internationalen Unternehme neben ausgedehnten Slums ohne ausreichende Wasser- und Stromversorgung. Während im Norden die exportorientierte Industrie präsent ist, herrscht im südlichen Mindanao weitgehend die Landwirtschaft. In einer Rede in Davao City 2016 machte Staatspräsident Duterte die Aussage, so wie Adolf Hitler im Holocaust drei Millionen Juden ermordet habe (richtigerweise: sechs Millionen), würde er gerne die drei Millionen Drogenabhängigen der Philippinen töten. Während der COVID-19-Pandemie forderte er die philippinische Polizei in einer öffentlichen Stellungnahme auf, Personen zu erschießen, die den Ausgangsbeschränkungen im Land nicht Folge leisten.