Sie ist sich sicher: Ich kann das schaffen! Meivita Lumarso aus Indonesien

Meivita Lumarso

„Mädchen sollten nicht so große Träume haben! - Das sagen die konservativen Leute. Aber ich glaube das nicht. Große Träume sind wichtig, wenn du dich persönlich entwickeln willst.“, sagt Meivita Putri Purnama Lumarso aus Indonesien. Und davon ist sie fest überzeugt.

Ihren recht langen Namen hat die 22Jährige für den Gebrauch im Alltag verkürzt. „Meivita Lumarso. Das genügt.“, lächelt sie und erklärt: „In Indonesien haben fast alle Mädchen den Zusatz „Putri“ im Namen. Es bedeutet „Prinzessin“. Bei den Jungs heißt es „Putra“ – Prinz. „Purnama“ ist das Wort für Vollmond.“ Dem Vollmond wird in Lumarsos Heimat manch gute Wirkung zugeschrieben.

Aufgewachsen ist Meivita Lumarso in Semarang an der Nordküste der Insel Java. An den Wochenenden besucht sie häufig ihre Oma. Die lebt weiter östlich nahe des berühmten Vulkans Mount Bromo. „Viele Touristen aus Indonesien und aller Welt besuchen den Vulkan, aber ich war noch nie dort.“, sagt sie ein bisschen verlegen.

Zur Schule geht Meivita Lumarso in Semarang, und hier beginnen auch ihre Träume. „Du musst gut sein in der Schule und lernen, wenn du dir als junger Menschen in Indonesien eine Zukunft aufbauen möchtest. Das ist für manche Kinder schwer, denn nicht alle gehen bei uns in die Schule“, sagt sie. Ihr Abitur besteht sie mit sehr guten Noten. Sie möchte studieren, am liebsten im Ausland, am aller liebsten in Deutschland.

„Das schaffst du nie!“, haben meine Freunde gesagt. Und meine Familie war anfangs dagegen. Ein Studium oder eine Ausbildung in Deutschland, das können nur besonders schlaue, kluge Leute mit viel Geld, hieß es. Wir sind überhaupt nicht reich, aber ich hatte schon viel über Deutschland gelesen und ich wollte es versuchen.“, sagt sie und erzählt von den Etappen auf ihrem Weg nach Schwerin. In der Schule hat sie Englisch gelernt und auch Französisch. Bahasa Indonesisch ist ihre Muttersprache und Mandarin lernt sie von den Großeltern. Deutsch kann sie damals nicht. „Wissen Sie, wo ein Wille ist, da ist ein Weg “, stellt sie klar.

Meivita Lumarso zieht allein nach Jakarta in die Hauptstadt. Dort gibt es eines der weltweit 157 Goethe-Institute. In aktuell 98 Ländern vermitteln diese seit 1951 Kultur, Sprache und Informationen über Deutschland. Knapp 250.000 Menschen nehmen jährlich an den Sprachkursen teil.

„Einen Sprachkurs konnte ich mir nicht leisten, der war zu teuer. Aber ich fand eine Lösung. Täglich bin ich 8 km von meiner Wohnung zum Goethe-Institut gelaufen und war von 12 bis 18 Uhr in der Bibliothek. Das war kostenlos. Mit Lehrbüchern habe ich angefangen und die Grammatik gelernt. Die kann ich jetzt wirklich gut. Sprechen habe ich mit einem Trick geübt.“, schmunzelt sie. „Ich habe mir Hörbücher am Computer mit dem Kopfhörer angehört, dazu parallel die Texte gelesen und ganz leise nachgesprochen, so dass ich in der Bibliothek niemanden störe. Irgendwann habe ich eine deutsche Frau angesprochen und sie um Hilfe gebeten.“ Daraus entwickelt sich eine gute Freundschaft. Wenig später arbeitet Lumarso an der International Universität Liaison Indonesia als Assistentin einer Deutschlehrerin.

Meivita Lumarso schafft, was manche für unmöglich halten. Sie besteht die Sprachprüfung B1 und die Auswahlprüfung zu einem Studium in Deutschland. Hochschullehrer aus Köthen und Berlin reisen zu diesen Prüfungen nach Indonesien und wählen die Studenten aus.

Sie bekommt einen Studienplatz an der TU Berlin in Architektur. Doch die indonesische Bürokratie lässt sie nicht gehen, verlangt eine weitere Sprachprüfung. Lumarso schafft auch diese und erfüllt mit dem Sprachzertifikat B 2 eine weitere Anforderung. Dennoch darf sie nicht ausreisen. „Ich habe sieben Mal ein Visum beantragt und immer die Regeln eingehalten. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe.“ Sagt sie und gibt nicht auf.

Ein Vermittler aus Deutschland sucht in Indonesien Auszubildene für die Gastronomie. Mit ihm startet Meivita Lumarso ihren achten Versuch. Der klappt. Endlich. 2019 beginnt die junge Frau eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in Sternberg.

Seit Mitte Juli wohnt sie in Schwerin Krebsförden. Im Schweriner Hotel Speicher am Ziegelsee setzt sie ihre Lehre im zweiten Ausbildungsjahr fort. Die ersten Tage in der Landeshauptstadt nutzt sie zum Kennenlernen der Stadt. Einen guten Buchladen hat sie bereits gefunden und einen Ausweis für die Stadtbibliothek hat sie auch schon. „Am liebsten lese ich im Moment Krimis. Auf Deutsch natürlich.“

Meivita Lumarso ist ehrgeizig und mit ihrem Notendurchschnitt von 1,3 an der Berufsschule Parchim ist sie noch nicht zufrieden. „Ich kann noch besser werden. Und vielleicht studiere ich eines Tages in Leipzig Internationales Hotel- und Tourismusmanagement. Ich kann das schaffen!“, sagt sie und lächelt bei ihren Gedanken an Angela Merkels „Wir schaffen das!“

Länderinfo Indonesien

Die Republik Indonesien ist der weltgrößte Inselstaat. Das Land verteilt sich auf 17.508 Inseln. Indonesien grenzt auf der Insel Borneo an Malaysia, auf der Insel Neuguinea an Papua-Neuguinea und auf der Insel Timor an Osttimor. Der größte Teil des Landes zählt zum asiatischen, der Landesteil auf der Insel Neuguinea zum australischen Kontinent.


Mit knapp 267 Millionen Einwohnern ist Indonesien der viertbevölkerungsreichste Staat der Erde. Indonesien ist das Land mit der größten Anzahl an Muslimen weltweit. Der Tourismus ist für das Land eine wichtige Einnahmequelle. Er hatte durch Bombenanschläge und Terrorwarnungen bereits vor Covid19 Einbußen zu verkraften hatte. Die Arbeitslosenquote wird 2019 mit 4,7 % / die Jugendarbeitslosigkeit 17% angegeben: Viele Arbeitsverhältnisse sind informeller Natur. Ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Fast ein Drittel der Beschäftigten ist in der Landwirtschaft tätig. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI) der Vereinten Nationen 2019, der auch nicht-ökonomische Faktoren berücksichtigt, belegt Indonesien Platz 111 von 189. Viele multinationale Unternehmen nutzen den natürlichen Reichtum Indonesiens und haben hier Niederlassungen. Der Gold- und Kupferproduzent PT Freeport Indonesia, eine Tochter von Freeport-McMoRan Gold & Copper, ist größter Steuerzahler des Staates. Er betreibt in Westneuguinea die größte Goldmine der Welt.