So weit weg vom Meer hat sie noch nie gelebt Meri Kataja Köchin aus Leidenschaft

Meri Kataja, Finnland

Die Entscheidung, nach Schwerin zu ziehen, fällt im Januar 2020. „Ich hatte von Schwerin zuvor noch nie etwas gehört. Mein Mann bekam einen Auftrag in Wismar und nach einem Blick auf die Landkarte und die Fotos vom Schweriner Schloss im Internet haben wir gesagt, okay wir ziehen nach Schwerin.“, lacht sie. Und schon im März bezieht Meri Kataja (33) aus Turku in Finnland mit ihrem Ehemann die neue Wohnung in der Landeshauptstadt.

Sie ist noch jung, als ihre Eltern von Helsinki in Richtung Norden, zunächst nach Oulo und etwas später wieder in den Süden nach Turku ziehen. „Wenn ich an Helsinki denke, erinnere ich die grauen Mauern der hohen Häuser. In den Dörfern auf dem Land bei Turku war es schöner. Wir hatten Hühner, eine Gans und einen Hund.“, erzählt Meri Kataja. „Meine Mutter wollte immer, dass ich weiß, wie Tiere aufwachsen, und dass ich mich um sie kümmere. Im Sommer bin ich mit der Gans im Fluss hinter dem Haus schwimmen gegangen.“

Das wirtschaftliche Leben spielt sich im Süden Finnlands ab. Als Pharmareferentin berät Katajas Mutter Apotheken und Ärzte. Ihr Vater betreibt ein Im- und Exportgeschäft und wenn sich eine Gelegenheit bietet, dann steht er als privater Küchenchef hinter dem Herd.

Meri Kataja wächst ohne Geschwister auf. „Viele Paare in Finnland haben heutzutage nur ein Kind oder auch gar keines. Das Leben in Finnland ist sehr teuer. Das ist ein Grund. Ein anderer sind die enormen Erwartungen: wenn du Kinder hast, musst du als Eltern perfekt sein. Das schreckt viele junge Menschen ab und ist inzwischen ein echtes Problem.“

Nach ihrem High-School-Abschluss weiß Meri Kataja nicht so recht, was sie machen soll. Ein Jahr lang studiert sie Psychologie. „Ich habe bald gemerkt, das ist nichts für mich.“, meint Kataja. Stattdessen beginnt sie eine Ausbildung als Köchin. „Kochen hat mir schon immer Spaß gemacht. Die Kochschule richtet sich an Erwachsene und dauert 2 Jahre. Im Naantali Spa Hotel & Resort habe ich die Praxis kennengelernt. Mit 3 Restaurants und einem Wellness-Angebot ist das für finnische Verhältnisse ziemlich groß. Und wir Finnen meinen, dass sei ein berühmter Ort, weil dort viele Gäste aus dem Ausland hinkommen. Aber ob das wirklich so ist?“, schmunzelt sie.

Ihre berufliche Laufbahn startet Meri Kataja als „Private Chef for High-End Customers“. Wie schon ihr Vater ist sie als Privatköchin in Lappland unterwegs. „Wohlhabende Leute aus England oder anderen Ländern haben dort eigene Ferienhäuser oder mieten sich ein Cottage. Die haben mich dann für eine oder auch zwei Wochen gebucht. Dort war ich für ihre Versorgung – vom Frühstück bis zum Abendessen – verantwortlich.“ In ihren Arbeitsverträgen gibt es Verschwiegenheitsklauseln und so bleiben die Namen der Kunden eigentlich ein Geheimnis. Aber eine Ausnahme macht Meri Kataja dann doch. „Drei Wochen habe ich für den König von Malaysia gekocht. Das war schon ein besonderer Auftrag. Morgens, wenn ich in der Küche das Frühstück vorbereitete, hat er mir gerne Fotos aus seinem Leben gezeigt und ich kam immer mit der Zeit unter Druck.“, erinnert sie sich.

„Wenn die internationalen Gäste im Winter nach Lappland kommen, kann man ganz gut Geld verdienen. Dann ist Hauptsaison. Im Sommer ist es ruhiger. Da verbringen wir, wenn möglich, Zeit auf einer Insel oder mit dem Boot.“, sagt Kataja „Und wir haben überlegt unseren Jet-Ski von Finnland nach Schwerin zu holen, aber hier macht das keinen Spaß, wenn man nicht Gas geben kann. Wir Finnen haben da irgendwas mit richtig hohen Geschwindigkeiten!“, lacht sie und nennt Namen wie Kimi Räikkönen und Mika Häkkinen.

Bei einem Sturz bricht sich Meri Kataja die rechte Hand. Operationen folgen, auch Nerven sind beschädigt und es ist für sie das vorläufige Ende der professionellen Arbeit in der Küche. 2018 beginnt sie ein Online-Studium der Ernährungswissenschaften. „Das kann ich auch von hier aus fortsetzen.“, so Kataja. „Es ist im Moment das erste Mal, dass ich nicht arbeite und eigenes Geld verdiene. Ich bin Hausfrau und das ist schon komisch für mich.“

Katja spricht bisher noch besser Englisch als Deutsch. In Schwerin kommt es immer wieder mal vor, dass sie mit Englisch nicht richtig weiterkommt. „Damit habe ich nicht gerechnet.“, sagt sie. „Ich nehme wahr, dass die Leute hier sehr freundlich sind und mich anlächeln, aber leider kann ich nicht mit ihnen sprechen. In Finnland werden Filme nicht synchronisiert. Eine TV-Serie auf Deutsch war „Marienhof“. Daher kann ich schon eine Menge Worte, aber mit dem Sprechen klappt es noch nicht so gut. Ich lerne weiter.“, lächelt sie.

Die Schweriner Altstadt gefällt ihr gut, besonders die Cafés und die leckeren Torten. „Es geht hier ruhiger zu als in Turku. Dort ist schon viel mehr digital. Man kann überall ohne Bargeld zahlen oder ein Rezept vom Arzt landet direkt in der Apotheke. Als ich neulich beim Arzt ein Rezept in die Hand bekam, wusste ich gar nicht, was ich damit machen sollte. Das ist doch ein bisschen altmodisch, oder?“, fragt Meri Kataja und macht sich auf den Weg. Zuhause warten ihre drei kleinen Hunde auf einen ausgedehnten Spaziergang am Schweriner See.

Länderinfo Finnland

Die Republik Finnland im Norden Europas grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee. Mit etwa 5,5 Millionen Einwohnern auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland gehört Finnland zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas.


Bis weit ins 20. Jahrhundert zählte das EU-Mitglied Finnland zu den ärmsten Ländern Europas. Lange Zeit war das Leben vieler Finnen von der Landwirtschaft geprägt. Erst nach 1945 wurde die Industrialisierung stärker vorangetrieben, nicht zuletzt, um die umfangreichen Reparationsforderungen der Sowjetunion zu bewältigen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich eine diversifizierte Wirtschaft mit einer leistungsfähigen Petrochemie, Elektroindustrie, Maschinen- und Fahrzeug- und Schiffbau. Aktuell wichtige Bereiche sind die Elektronikbranche, Telekommunikation und Softwareherstellung. Das Schulsystem Finnlands ist seit langem Vorreiter und Vorbild im internationalen Vergleich. Das Konzept Inklusion ist fester Bestandteil des Bildungssystems. Der Beruf der Lehrkraft ist in Finnland so hoch angesehen wie der eines Arztes oder Anwalts. Obwohl die Leistung finnischer Schüler erst ab dem 8. Schuljahr durch Noten beurteilt wird und die Schüler im internationalen Vergleich wenig Schulstunden haben, zeigen sie dennoch seit Jahren die besten Ergebnisse. Außerdem kennt Finnland so gut wie keine Kinderarmut: Laut Unicef liegt die Quote bei unter fünf Prozent – das ist Weltrekord. Die Frage, was denn typisch finnisch sei, wird meist mit dem Wort Sauna beantwortet.