Er möchte gerne Wurzel schlagen Michael Nikiel aus Kanada

Michael Nikiel

„Es war schon toll, viel herum zu kommen und in all den Ländern und Städten zu leben. Aber für unsere kleine Tochter Maria wünschen wir uns das nicht. Hier in Schwerin aufzuwachsen, Freunde zu finden und nicht ständig umzuziehen und von vorne zu beginnen, das wäre gut.“, sagt Michael Nikiel. Seit gut einem Jahr wohnt er mit seiner Frau und Tochter in Schwerin.

Deutschland ist das jetzt sechste Land, in dem der 29Jährige lebt. In Saskatoon, Kanada ist er geboren. Seine Eltern kommen aus Polen und sein Vater arbeitet vorübergehend an einer Universität in Saskatchewan. „Kommst du in Kanada zur Welt, dann bist du Kanadier.“

Kurze Zeit später zieht die Familie für ein Jahr nach Texas in den USA und dann nach Polen. Michael Nikiel ist noch klein, als es von Polen weiter nach Beirut in den Libanon geht. Hier bleibt er nun immerhin für ein paar Jahre. In Beirut kommt er zur Schule. Zwischendurch geht es erneut für ein Jahr nach Kanada und dann zurück nach Beirut.

Und hier hat er ein Erlebnis, das für die Wahl seiner beruflichen Laufbahn von entscheidender Bedeutung ist. „An den Tag kann ich mich genau erinnern.“, sagt er. „Unser Chemielehrer gab uns eine Aufgabe. Warum löst sich Salz, wenn man es in ein Gefäß mit Wasser tut, langsamer auf, wenn das Salz aus großen Stücken besteht, und schneller, wenn das Salz aus feinen Körnern ist?“ Lange überlegen muss Nikiel nicht. Seine Antwort kommt prompt. „Weil die Oberfläche der kleinen Körner in der Summe viel größer ist als die der großen Stücke. Damit gibt es viel mehr Fläche, die auf die Verbindung mit Wasser reagieren kann. - Ich war der einzige in der Klasse, der das sofort erkannt hatte.“, lacht Nikiel.

Er scheint heute noch überrascht und erfreut darüber, dass ihm die richtige Lösung damals so schnell einfiel. „Mein Lehrer hat gemerkt, dass ich an naturwissenschaftlichen Dingen Freude und Interesse hatte und mich dann beim Lernen wirklich unterstützt.“

2006 beendet der Vater seine Tätigkeit an der American University of Beirut. Wieder in Polen macht Michael Nikiel sein Abitur. „Meine Polnisch Kenntnisse waren gut, doch meine Englisch Kenntnisse waren besser. Darum entschied ich mich für ein Studium in englischer Sprache.“, erzählt Nikiel. Seine Wahl fällt auf die Universität in Aberdeen in Schottland. „Ein schönes Land, aber im Winter fand ich es echt deprimierend.“

Nach dem Bachelor in Biologie, Fachgebiet Genetik, geht es zwischen Polen und Schottland hin und her, bis Nikiel mit dem Masterstudium in Wroclaw beginnt. Während dieser Zeit lernt er seine Frau Linda kennen. Sie stammt aus Parchim und ist Erasmusstudentin dort.

Als fertiger Bio-Informatiker sieht sich Michael Nikiel gut auf die Zukunft vorbereitet. Linda und er überlegen, wo sie sich gemeinsam etwas aufbauen wollen. Polen ist es eher nicht, auch Deutschland nicht, denn Michael spricht damals noch kein Deutsch. Für die Nikiels ist Kanada wie für viele Menschen ein romantisches Wunschziel. Für das Paar ist es sogar erreichbar, denn Michael ist kanadischer Staatsbürger. „Wir haben von einer Farm geträumt und haben uns einfach auf den Weg gemacht.“, so Nikiel.

Doch in Ottawa läuft es anders als erwartet. Die Anerkennung seines Master-Abschlusses erweist sich als schwierig und teuer. „Es war nicht mal sicher, ob das überhaupt klappt.“, so Nikiel. Die jungen Leute halten sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser. Linda arbeitet in einem Call-Center für die Lufthansa. Michael füllt Regale in einem Supermarkt. „Dann habe ich in einem Holzverarbeitungsbetrieb gearbeitet. Wir haben Fertigelemente für Dachstühle hergestellt. Im Winter bei -400 C mit warmer Unterwäsche und zwei Hosen übereinander und im Sommer bei plus 400 C Hitze. Die Temperaturunterschiede sind enorm und der Wechsel zwischen heiß und kalt geht schnell. Herbst und Frühjahr sind echt kurz.“

Dann passiert das Unerwartete. Linda bekommt ein Baby. „Das hat alles verändert. Wir bekamen wirklich Heimweh und wir wollten so gern, dass unsere Tochter in der Nähe ihrer Großeltern aufwächst.“ Damit gehen 2 Jahre in Kanada zu Ende und mit der kleinen Maria macht sich die junge Familie auf nach Schwerin.

Lindas Eltern hatten für die Drei schon eine kleine Wohnung in Lankow organsiert und so war der Start in der Landeshauptstadt gut vorbereitet. „Am Anfang haben wir die Stadt kennengelernt und während der ersten Corona-Zeit lange Spaziergänge gemacht. Eine kleine Challenge waren die 7 Seen in 7 Tagen. Es ist toll in Schwerin.“, meint Nikiel.

Arbeit finden Linda und Michael Nikiel schnell: sie im Jobcenter Schwerin und Michael in Rostock bei der Centogene GmbH. „Der Job ist ein Volltreffer. Anfangs war ich im Labor und jetzt arbeite ich viel am Computer. Mit unserer Fahrgemeinschaft ist der Arbeitsweg auch machbar.“, strahlt Nikiel. Die Freude über eine Arbeit, die ihm wirklich liegt, sieht man ihm an.

Die kleine Maria geht ab nächste Woche in die Krippe. „Dass Kindergärten hier kostenlos sind, ist fantastisch. In Kanada wäre das unvorstellbar. Und in Baden-Württemberg ja auch.“, lacht Nikiel, der jetzt von einem Häuschen für sich und seine Familie in Schwerin träumt.