Harry ist sein ständiger Begleiter … Philip Ward aus England

Philip Ward

Die große Liebe: Anneli aus Schwerin

Die bilateralen Beziehungen zwischen Großbritannien und der DDR waren lange Zeit außergewöhnlich: Aus offizieller, britischer Sicht existierte die DDR nämlich nicht. Konsequenter Weise verweigerte Großbritannien diplomatische Beziehungen oder politische Kontakte auf offizieller Ebene. Die Anerkennung der DDR durch Großbritannien am 09. Februar 1973 änderte dies grundlegend und damit kurze Zeit später auch das Leben des jungen Studenten Philip Ward aus Falmouth in Cornwall, England.

Ward studierte seinerzeit Deutsche Sprache und Literatur. Er plante ein Studienjahr in Deutschland, in Westdeutschland, zu verbringen. Doch es kam anders. Es ging nach Leipzig, von April bis Juli 1974 als Student an die Karl-Marx-Universität. Überraschend folgten ein Arbeitsvertrag beim Fremdsprachendienst der DDR „Intertext“ und viel wichtiger: Die große Liebe: Anneli aus Schwerin. Auch sie studierte in Leipzig, Englisch und Russisch.

„Mein Vater war nicht begeistert von meiner Idee, im kommunistischen Ausland zu studieren. Er hatte Angst, ich ginge hinter dem „Eisernen Vorhang“ verloren. Er wollte es mir verbieten, aber meine Mutter hat ihn überredet. Mit meiner Arbeit für Intertext war ich dann finanziell unabhängig. Ich habe in Leipzig gelebt wie alle anderen. Gut 600 Mark gab es im Monat. Bei 40 Mark für Miete blieb genug übrig.“ – Ein paar Privilegien hatte er dann aber doch. Ward war mit seinem VW-Käfer eingereist und konnte Freunde in Bayern besuchen.

1977 zurück in die DDR

Schweren Herzens fuhr Ward nach gut einem Jahr wieder nach Großbritannien, beendete dort sein Studium. Aber 1977 kam er zurück in die DDR. Er heiratete seine große Liebe in Schwerin und seine Eltern kamen zur Hochzeit mit. 1978 zog das junge Paar dann nach Cornwall. Hier kamen ihre 3 Töchter zur Welt. „Alles DDR-Bürger!“, sagt Ward und schmunzelt bei dem Gedanken an die damalige politische Situation. „In den Sommerferien waren wir mit den Kindern regelmäßig zu Besuch bei meinen Schwiegereltern in Schwerin. Die „Wende“ haben wir dann in Etappen erlebt. Zuerst sah man das auf der Straße. Immer weniger Trabis, immer mehr bunte Autos.“

Ward lernte während seiner fast 27 Jahre Lehrtätigkeit an der Falmouth Community School auch Frankreich und den Westen Deutschlands kennen, wenn er mit Schülergruppen ins Rheinland fuhr. 2006 ging Philip Ward als Abteilungsleiter für moderne Sprachen in den Vorruhestand. Seine Frau, die auch unterrichtete, arbeitete bis 2009 weiter und dann zog es die beiden wieder nach Mecklenburg. „Strände haben wir in Cornwall jede Menge. Und im Sommer kommen wirklich viele Touristen in die Region. Das ist mir immer zu viel gewesen. Hier ist es ruhiger. „Unentdeckt“. wie es ein britischer Reporter in einer Dokumentation über Mecklenburg einmal formulierte.“

Ständige Begleiter: Harry und Delphi

Harry, ein junger Dackel, und Delphi, eine hübsche Mischlingshündin aus Griechenland, sind seine Begleiter auf den Spaziergängen. „Harry nehme ich auch mal mit in den Unterricht. Der Kleine tut den Kindern gut.“, so der leidenschaftliche Lehrer, der an der Albert-Schweitzer-Schule Schwerin, Schulteil für Kranke in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Englisch unterrichtet. Vor 10 Jahren hat Ward das Gitarre spielen seiner Jugend neu entdeckt „Wir singen viel im Unterricht – auf Englisch natürlich. Es ist ein schöner Weg die Schüler zu erreichen. - Und: Übung macht den Meister.“ fügt er lächelnd hinzu.

Viele Menschen aus dem Vereinigten Königreich gibt es in Schwerin nicht. Die Statistik zählt 20. „So viele?!“, staunt Ward. „Es wäre schön ein paar der anderen kennenzulernen.“

Der BREXIT gefällt ihm gar nicht. Er hält ihn für falsch. Die britische Politik der Abkehr von Europa geht ihm nah. „Zwei Briefe habe ich an die Premierministerin Teresa May bereits geschrieben. Da muss ich als Brite meine Meinung sagen, auch wenn ich wohl keine Antwort bekommen werde.“ Ward sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen den Europäern und ist auch als Vorsitzender der Deutsch-Britischen-Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V./Schwerin überzeugt, dass die Förderung einer internationalen Gesinnung und des Völkerverständigungsgedankens der bessere Weg wäre.

Was ihm in seiner Wahlheimat fehlt? „Ich liebe gute Currys!“ Diese eigentlich indische Speise, für den britischen Geschmack modifiziert, ist sehr beliebt. 2001 bezeichnete der damalige britische Außenminister, Robin Cook, „Chicken Tikka Masala“ als ein „echtes“ britisches Nationalgericht. „In Deutschland gibt dies es mit etwas Glück nur in Berlin.“

Ob er ein Lieblingswort auf Deutsch hat? „Eigentlich nicht. Ich schaue eher auf Gemeinsamkeiten in der Sprache. „Door“ oder „Dör“ oder „Tür“ zum Beispiel. Oder auf deutsche Worte, die wir auch im Englischen benutzen, wie „Schadenfreude“ oder „Angst“. Angst hat Ward nicht, doch der wachsende Nationalismus in vielen Ländern macht ihm Sorgen. „Da hilft es wohl nur, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich kennenzulernen. Und da bin ich gerne dabei.“

Dieser Artikel ist auch (gekürzt) in der Schweriner Volkszeitung 2019-02-04 erschienen.

Länderinfo Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

Der Staat, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, ist eine Union aus den Landesteilen England, Wales, Schottland und Nordirland. Im deutschen Sprachgebrauch wird er auch als Großbritannien oder einfach als England bezeichnet. Großbritannien bezeichnet geographisch die Hauptinsel der Britischen Inseln. England, die Heimat von Shakespeare und den Beatles, ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs und grenzt an Schottland und Wales.

Das Staatsoberhaupt der parlamentarischen Demokratie mit rund 66 Millionen Einwohnern ist seit 1952 Königin Elisabeth II. Das Vereinigte Königreich der drittbevölkerungsreichste Staat der Europäischen Union. Es ist Gründungsmitglied der NATO sowie der Vereinten Nationen. Es ist Atommacht, ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates. Mit einem Referendum am 23. Juni 2016 wurde der Austrittsprozess aus der Europäischen Union BREXIT in Gang gesetzt.

Die Hauptstadt London liegt an der Themse. Sie ist Sitz des Parlaments und als multikulturelle moderne Metropole ein wichtiges Kunst- und Geschäftszentrum.

An der rauen südwestlichen Spitze Englands liegt die kleine Grafschaft Cornwall, eine Halbinsel mit wilden Moorgebieten, hunderten Sandstränden, hohen Klippen und Badeorten an drei Seiten vom Wasser, dem Atlantischen Ozean, dem Ärmelkanal und der Keltischen See umgeben. Einer der hübschen Hafenorte ist Falmouth.