Ein junger Mal aus dem Land der Inkas Stalin Campos Riva aus Peru

Stalin Campos Riva

Manche jungen Leute – auch aus Schwerin - zieht es für ein Freiwilliges Soziales Jahr in die weite Welt, zum Beispiel nach Piura im Norden Perus. „Heute ist es wirklich sehr schön hier in Schwerin, so wie in meiner Heimatstadt.“, sagt Stalin Campos Riva, während wir in der warmen Juli-Sonne auf der Bank im Hinterhof des „Jugendhauses Dr. K.“ am Platz der Freiheit sitzen.

Hier, in der Paulsstadt, macht der junge Mann aus Peru seit 10 Monaten einen Dienst als Freiwilliger. Er arbeitet im „café oRAAnge“ mit Kindern und Jugendlichen, die hier ihre Freizeit verbringen. Er malt mit ihnen und macht Workshops. Auch Stalin Campos Riva zog es für ein Freiwilliges Soziales Jahr in die Welt. Aus Piura am Pazifik in die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin.

Vor ein paar Tagen war Stalin Campos in Stralsund und Heringsdorf an der Ostsee. Auch dort hat es ihn an die Region Piura, an Zuhause erinnert. Als Kinder waren seine Freude und er oft am Strand zum Schwimmen oder Surfen. „Der Strand ist bei uns wie in Heringsdorf. Und es gibt viel Fisch. Aber es ist viel wärmer dort!“, schmunzelt der junge Mann.

Nach der Schulzeit in Piura zieht er nach Lima, in die Hauptstadt Perus. Hier macht er eine Ausbildung als Grafik-Designer. Für einige Jahre arbeitet Stalin Campos in verschiedenen Unternehmen. Die Arbeitstage sind lang. Zehn Stunden täglich sind die Regel, manchmal sind es mehr. Immer steht Campos mit den Aufträgen unter Zeitdruck. Es kommt vor, dass er in der Firma schläft, damit es nach dem Aufwachen sofort mit der Arbeit weitergehen kann. Das ist anstrengend.

„Manchmal kam mein Chef mit einer Idee, die ich in eine Grafik umsetzten sollte. Es hat nicht immer geklappt, die Ideen aus dem Kopf eines anderen in meinen Kopf zu bekommen und daraus einen guten Entwurf zu machen!“, sagt Campos. Auch wenn ihm das Handwerk des Grafik-Designers Freude macht: er will etwas anders im Leben.

„Meine Mutter hatte sich gewünscht, dass ich zum Militär gehe. Aber ich habe ihr gesagt: „Mama, das ist unmöglich! Das kann ich nicht!“, sagt er. Erstmal macht Campos einen Freiwilligeneinsatz für APRODE, die Asociación Pro Desarollo Perú Vida, eine peruanische NGO, die sich für die soziale Entwicklung in Peru und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in besonders armen Gemeinden einsetzt. In den peruanischen Bergen arbeitet er ehrenamtlich als Lehrer für Grafik-Design an einer öffentlichen Schule und lernt dort andere Freiwillige, auch aus Stuttgart und Hamburg, kennen. Er entschließt sich, nach Deutschland zu kommen. Zunächst für ein Jahr.

„Mein Hobby ist die Malerei. Aber in Peru kann man nicht von der Kunst leben. Ich wollte es in Europa versuchen.“ Um Deutsch zu lernen, geht Campo in Lima dreimal pro Woche zum Goethe-Institut. Zu Beginn der ersten Stunde des Sprachkurses stellt er sich vor. „Oh, Dein Name ist Stalin?! Dein richtiger Name? fragte mein Deutschlehrer überrascht. Dann mal viel Spaß in Deutschland!“, sagt Campo und lacht. „Mein Vater ist politisch links. Eine meiner Schwestern heißt Indira. Bei uns sind diese Namen normal. Da staunt niemand darüber.“

Stalin Campo Rivas nutzt seinen Aufenthalt in Schwerin auch, um Bilder zu malen. Bei „Kunst offen“ kann er einige seiner Bilder in Zittow ausstellen. „Mein Wunsch ist es, in Deutschland Kunst zu studieren. Aber das ist bisher nicht möglich. Ich werde an meiner Mappe für eine Bewerbung arbeiten und es dann versuchen.“, so Campos.

Ihm gefällt es hier in Norddeutschland. Er mag Kanufahren, war bereits zweimal im Hansapark und geht gerne in den Schweriner Kletterwald. Er geht gerne tanzen, am liebsten Salsa. „Ich mag ‚Techno‘ nicht. Aber Salsa tanzen in Schwerin ist fast unmöglich. Manchmal treffen sich am Wochenende ein paar Latinos und feiern eine Party, aber besser ist das Nachtleben in Hamburg.“, sagt er. „Doch ich fühle mich hier wohl in Schwerin. Die Leute sind nett und es ist ruhig und es ist sicher, anders als in Lima.“

Noch bis Ende Augst 2019 wird Stalin Campos Riva gemeinsam mit Katta aus Sachsen-Anhalt und zwei jungen Männern aus Eritrea und aus Indien in seiner Schweriner „Multi-Kulti-Wohngemeinschaft“ wohnen. „Manchmal verstehe ich zwar nicht, was Katta sagt, aber mein Deutsch ist in diesem Jahr viel besser geworden. Nun brauche ich noch mehr Zeit.“ Die hat er allerdings nicht. Sein Einsatz im Freiwilligendienst endet und er muss zurück nach Peru.

„Ich bin total dankbar für die Zeit hier. Meine Kollegen sind super nett. Sie waren super geduldig mit mir. Ich werde sie vermissen. Auch die hübschen Frauen hier!“, strahlt Stalin Campos Rivas. Im September steht nun erstmal in Peru ein Familientreffen an: Seine Schwester heiratet.

Dieser Artikel erschien gekürtzt auch in der Schweriner Volkszeitung vom 05.08.2019 https://www.svz.de/lokales/zeitung-fuer-die-landeshauptstadt/der-maler-aus-dem-land-der-inkas-id24999872.html

Länderinfo Peru

Die Republik Peru (República del Perú) im westlichen Südamerika grenzt im Norden an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien, im Süden an Chile und im Westen an den Pazifik. Peru ist das größte Andenland.


Peru, einst die Wiege der am weitesten entwickelten indigenen Zivilisationen und Sitz des stärksten Imperiums im prähispanischen Südamerika, des Inka-Reiches, wurde für fast 300 Jahre von spanischen Vize-Königen regiert, die vor allem an der Ausbeutung von Edelmetallen interessiert waren. Deren Regentschaft war durch den Niedergang des Inka-Systems und die Vernichtung der indianischen Bevölkerung von ca. 15 Mio. auf etwa 800.000 gekennzeichnet. Das staatliche Gewaltmonopol des seit 1821 unabhängigen Landes wird u.a. durch die Macht der Drogenmafia und ein hohes Maß an Korruption in Frage gestellt. Skandale erschütterten das Land. Anfang April 2019 erließ ein Richter eine 10-tägige Vorbeugehaft und eine Hausdurchsuchung gegen den Ex-Präsidenten Kuczynski. Damit sind zurzeit alle noch lebenden Ex-Präsidenten inhaftiert oder werden strafrechtlich belangt. Peru ist etwa dreimal so groß wie Deutschland und hat mit knapp 32 Millionen weniger als halb so viele Einwohner. Etwa 45% sind indigener, 37% europäisch-indigener, 15% europäischer Abstammung. Die Landessprachen sind Spanisch und Quechua. 2018 wurden nach Angaben des UNHACR 192.444 Asylanträge in Peru von Flüchtlingen gestellt. Die meisten davon kamen aus Venezuela, Kuba und aus Kolumbien.