Opel und Mercedes Benz haben in fasziniert Sivapoom Pongphaiboon aus Thailand

Sivapoom Pongphaipoon, Thailand

Von Bangkok sind es 3 Stunden mit dem Auto nach Hua-Hin am Golf von Thailand. Seit 1926 zieht sich die Königsfamilie im Sommer gerne vor der Hitze in ihre Sommerresidenz im ältesten Seebad Thailands zurück. Hier an der Küste, mit den Bergen im Rücken, ist das Klima angenehm. Sivapoom Pongphaiboon wächst in den 80ern in Hua-Hin am Strand auf.

Noch vor 30 Jahren handelt sein Großvater mit Tintenfisch. Die Fangsaison ist kurz. Der Fisch wird getrocknet, gelagert und dann nach Japan, Indonesien und Singapur verkauft. „Aber irgendwann brach die Fischerei zusammen und der Tourismus kam. Es kommen Gäste aus aller Welt. Auch viele Rentner aus Deutschland leben dort.“, sagt Pongphaiboon.

Aus dem Elternhaus am Strand wird ein Restaurant. „Mein Vater betreibt es noch heute. Aber er wohnt nicht mehr dort.“, so Pongphaiboon. Er selbst besucht nach der Grundschule das Gymnasium am Stadtrand von Bangkok und lebt im Wohnheim.

Der junge Sivapoom hat ein Faible für Autos. Sein Vater fährt damals einen Opel. „Der ist nicht so gut wie ein Mercedes.“, lacht er. „Ein Mercedes ist auch ein Statussymbol. Es gibt viele Autos in Thailand. Die aus Japan sind okay. Aber wenn man eins zu eins vergleicht, dann sind die deutschen Autos immer besser. Mit dem Mercedes oder einem BMW findet man immer einen Parkplatz. Die Leute glauben, wer so ein Auto fährt, der hat Erfolg und auch Geld in den Taschen. Die deutschen Autos waren in meiner Kindheit schon teuer, aber sie waren auch wirklich gut.“ Sein Onkel fuhr einen Mercedes-Benz 560 SEC. „Einer mit 2 Türen!“, strahlt Pongphaipoon. Man sieht ihm an, wie sehr ihn die Technik fasziniert.

Studieren darf in Thailand jeder mit Abitur. Aber nicht jeder bekommt einen Studienplatz. Mit einer zentralen Prüfung werden Punkte ermittelt. Eine hohe Punktzahl verbessert die Aussichten auf einen begehrten Studiengang. Pongphaipoon hat Glück. Er bekommt einen Studienplatz für Mechanik und Elektrotechnik in Bangkok. „Man muss für das Studium bezahlen.“, sagt er und ergänzt lachend: „Wenn man sehr schlau ist, kann man auch ein Stipendium bekommen. Aber so schlau war ich nicht.“ Die ganze Familie hat bei der Finanzierung geholfen.

Ein Praktikum führt ihn nach Saitma in Japan. Bei einem Unternehmen der deutschen BOSCH-Gruppe werden dort Einspritzpumpen für Dieselmotoren hergestellt. 2004 bewirbt er sich mit dem Bachelorabschluss in der Tasche um ein Masterstudium. „Das hätte ich in Japan machen können. Dort hatte ich ja jetzt gute Kontakte.“, sagt er. Aber dieses Mal klappt es in Deutschland. „Das war unkompliziert. Ich habe Professoren an der Technischen Universität in Aachen und an der Technischen Universität in Hamburg-Harburg gefragt, ob sie an dem, was ich kann und was ich machen möchte interessiert sind. In Hamburg sagten sie „Komm vorbei! Wir freuen uns auf Studenten für unseren neuen internationalen Mechatronik-Kurs. Und ich bin davon ausgegangen, dass das dann auf Englisch läuft.“ Doch das war nicht so.

„Nach Deutschland zu kommen, war nicht schwer. Aber in Deutschland zu überleben, wenn man das nicht gut vorbereitet hat, ist eine andere Geschichte.“, so Pongphaipoom. Er fühlt sich einsam, findet keine Freunde, mag nicht nach draußen gehen, weil er unsere Sprache nicht spricht. „Ich war jung und mutig. Aber jetzt hatte ich Chaos im Kopf. Nach der Uni bin ich nach Hause, habe viel Online am Computer gespielt. Dass es so schwer wird, hatte ich mir nicht vorstellen können. Mein Vater wurde traurig und mir war klar, jetzt muss ich etwas ändern.“ Er macht sich auf den Weg, sucht Kontakt, lernt junge Leute kennen. Sie nehmen ihn mit in das Fußballstadion des FC St. Pauli am Millerntor. Es ist ein Pokalspiel gegen den FC Bayern. Die Bayern gewinnen. Die Atmosphäre gefällt ihm gut. Sivapoom Pongphaipoon ist seither St. Pauli-Fan. Und er lernt nun auch mehr Deutsch. „Deutsch habe ich auf der Straße gelernt.“, lacht er, „Mit den Leuten, mitten im Leben. Und bei Airbus.“ Da ist er Werkstudent im „Reliable Engineering Departement. Ein, zwei Tage in der Woche ist er dort. Und er setzt Hoffnung auf einen Job in dem Unternehmen. Doch Airbus löst die Abteilung in Finkenwerder auf. „Da war ich wirklich durcheinander. Ich habe einen Professor aus dem Bereich „Umweltmesstechnik“ gefragt, ob er ein Projekt für meine Masterarbeit weiß. Er hat mich in seinem Auto mitgenommen nach Schwerin zu AIRSENSE. Der Geschäftsführer, Andreas Walte, hat mit mir ein Thema für die Masterarbeit verabredet und im April 2008 habe ich das Studium beendet. Dann ging es zurück nach Thailand.“

Sivapoom Pongphaipoom hat da eigentlich mit Deutschland abgeschlossen. „Nach einem Monat bekam ich aus Deutschland eine E-Mail und dann einen Anruf. Ob ich schon einen Job hätte, hat der Geschäftsführer von AIRSENSE gefragt“, sagt er lachend. „Ich hatte keinen, weil ich noch nicht gesucht hatte. Ich wollte eine Pause machen und sagte ‚Nein, habe ich nicht.‘ Und er sagt, dann komm zurück, wir haben was für Dich.“

Dem Schweriner Unternehmen AIRSENSE ist es gelungen, seine hochspezialisierten Sicherheitsinstrumente auf dem internationalen Markt zu etablieren. Heute zählt AIRSENSE zu den weltweit führenden Herstellern von Sicherheitsausrüstung und beschäftigt Personal aus zahlreichen Ländern.

Pongphaipoon kehrt nach Schwerin zurück. Er möchte 3, vielleicht auch 4 Jahre lang Geld für seine Hochzeit sparen und Erfahrungen sammeln. 2012 heiratet er im Urlaub in Thailand und seine Frau begleitet ihn in die Landeshauptstadt. Inzwischen haben sich die Eheleute in Medewege ein Haus gekauft. Tochter Sonja geht in den Kindergarten und seit April 2020 hat sie einen kleinen Bruder. Shawn und seine Schwester wachsen mehrsprachig auf. Das ist den Eltern wichtig. Sie fühlen sich wirklich wohl hier, aber wer weiß, auch wenn Pongphaipoon fast sein halbes Leben hier verbracht hat, wohin es die Familie noch führt.

Länderinfo Thailand

Das Königreich Thailand liegt in Südostasien. Er grenzt an Myanmar, Laos, Kambodscha, Malaysia, den Indischen und den Pazifischen Ozeans). Die Hauptstadt und mit rund 10 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes ist Bangkok.


Siam hieß bis 1939 das Land, das ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Staates lag. Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie. König Bhumibol Adulyadej war von 1946 bis zu seinem Tod im Jahr 2016 Staatsoberhaupt. Seit 1. Dezember 2016 ist sein Sohn Maha Vajiralongkorn thailändischer König, der sich oft und gerne auch in Deutschland aufhält. Die knapp 70 Millionen Bewohner sind zu 75 % Thai und zu 14 % Chinesen; in den südlichsten Provinzen leben überwiegend Malaien. Der Buddhismus ist keine offizielle Staatsreligion, doch fast 94 % der Thailänder bekennen sich zu ihm. Thailand lag im Index der menschlichen Entwicklung 2019 auf dem 77. Platz. Die Armut konnte das Land in den letzten Jahrzehnten deutlich senken. Dabei profitierte es vom Binnenmarkt, der belebt ist vom Konsum einer wachsenden Mittelklasse und von der zunehmenden Integration in den Welthandel. Thailands wichtigste Einnahmequelle ist der Tourismus. 2019 besuchten 39,8 Millionen Touristen das Land.